Trauer um Thomas Oppermann

Die SPD-Bundestagsfraktion ist bestürzt über den Tod von Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann. Die Abgeordneten würdigten insbesondere sein großes Engagement für die Demokratie.  

Die SPD-Bundestagsfraktion ist tief erschüttert über den Tod von Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann. Der SPD-Politiker war am Sonntagabend plötzlich und unerwartet verstorben. Oppermann gehörte seit 2005 dem Deutschen Bundestag an und war seit 2017 Vizepräsident des Parlaments. In der vorigen Legislaturperiode war er Vorsitzender der SPD-Fraktion.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich äußerte „große Bestürzung“ über den Tod von Thomas Oppermann.  Dessen „beherzte und zupackende Art“  habe ihn zu einem außergewöhnlichen Politiker gemacht, der immer mit großer Verantwortlichkeit gehandelt habe.

Auch viele weitere SPD-Abgeordnete äußerten ihre Trauer, unter anderem über Twitter. „Ein großer Sozialdemokrat ist viel zu früh verstorben. Als 1. PGF, Fraktionsvorsitzender und Bundestags-Vize hat Thomas Oppermann die SPD-Bundestagsfraktion geprägt. Ein kluger Kopf mit klarem Kompass, rhetorisch brillant und voller Energie. Unfassbar. Meine Gedanken sind bei seiner Familie“, schrieb der Erste Parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider auf Twitter. 

 „Eine unfassbare Nachricht, die sehr traurig macht“, twitterte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Mast. „Thomas Oppermann war Klartext-Politiker. Als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und als Vizepräsident des Bundestages hat er die Werte unserer Demokratie stets verteidigt. Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie. Er wird uns sehr fehlen“. 

"Wir verlieren einen klugen, humorvollen, lieben Kollegen und ich einen Freund im Engagement für die deutsch-israelischen Beziehungen", schrieb Kerstin Griese.  Martin Schulz zufolge war Oppermann „klug und humorvoll, durchsetzungsstark und fair, leidenschaftlich und pragmatisch". "Ein Sozialdemokrat im allerbesten Sinn, ein feiner Mensch und ein guter Freund. Uns allen wird er fehlen.“

Einsatz für die Demokratie

„Die Nachricht vom plötzlichen Tode meines Kollegen und Genossen Thomas Oppermann erfüllt mich mit tiefer Trauer“, twitterte Hubertus Heil. Thomas Oppermann habe sich „mit Leidenschaft und Verstand um unser Land und die Sozialdemokratie verdient gemacht“.

Die SPD verliere einen herausragenden Politiker, der mit Witz und Charme Debatten prägte, so Dorothee Martin. „Wir trauern um einen begabten und kundigen Politiker sowie charaktervolle Persönlichkeit unserer Zeit“, teilte Elisabeth Kaiser mit.  Sein plötzlicher Tod habe sie zutiefst erschüttert.

Die Abgeordneten würdigten besonders den Einsatz Oppermanns für die Demokratie. So beschreibt SPD-Fraktionsvize Achim Post Thomas Oppermann als Politiker „mit scharfem Verstand, klarer Kante und mutigem Herzen. Seine streitbare Stimme für Demokratie, Zusammenhalt und Gerechtigkeit wird unserem Land und unserer Partei, der SPD, fehlen“.

„Du wirst uns stets in Erinnerung bleiben – als scharfsinniger Außenpolitiker und leidenschaftlicher Sozialdemokrat, vor allem jedoch als wehrhafter Demokrat“, schrieb Josep Juratovic.

Karamba Diaby twitterte: „Wir verlieren einen Menschen, der über den Tellerrand blickte und stets für unsere Demokratie kämpfte.“

Leidenschaftlicher Parlamentarier

Oppermann wurde 1954 in Freckenhorst in Nordrhein-Westfalen geboren. Als einziges von vier Kindern des Molkereimeisters Wilhelm Oppermann und seiner Frau Elisabeth machte er das Abitur. Danach reiste er in die USA, wo er als freiwilliger Helfer der Aktion Sühnezeichen  unter anderem Gewerkschaftsarbeit machte. Mit nach Hause brachte er die Erkenntnis, dass soziale Gerechtigkeit politische Einmischung erfordert. Oppermann studierte dann in Göttingen Jura. Sein Studium finanzierte sich der Friedrich-Ebert-Stipendiat auch als Bauarbeiter und Nachtwächter. Von 1986 -1990 arbeitete er als Richter an den Verwaltungsgerichten in Hannover und Braunschweig.

In die SPD trat Oppermann 1980 ein, 1985 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks Göttingen gewählt, seit 1989 stand er an dessen Spitze. 1990 wurde er  Mitglied des niedersächsischen Landtags und übernahm die Aufgabe des rechtspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion. Es war Gerhard Schröder, der Oppermann 1998 als Ministerpräsident zum Minister für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen machte. Oppermann setzte sich in seinem Amt für die konsequente Entbürokratisierung und Modernisierung der Hochschulen ein.

Nach dem Wechsel der SPD in die Opposition im Jahr 2003 übernahm er den Posten des wirtschaftspolitischen Sprechers der Landtagsfraktion.

Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen 2005 gewann Oppermann im Wahlkreis Göttingen mit 46,8 Prozent der Erststimmen das Direktmandat, das er in den folgenden drei Legislaturen verteidigen konnte. 2007 wurde er zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion gewählt, nachdem Amtsinhaber Olaf Scholz an die Spitze des Arbeitsministeriums gewechselt war.

Nach der Bundestagswahl 2009 wurde Oppermann dann erneut 1. PGF. Außerdem wurde er Mitglied und dann Vorsitzender des für die Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremiums.

2013 wählte die  SPD-Bundestagsfraktion Oppermann zu ihrem Vorsitzenden und damit zu einer zentralen Figur der Großen Koalition. In dieser Zeit konnte die SPD-Fraktion einige für sie sehr wichtigen Projekte umsetzen, wie die Rente ab 63, den gesetzlichen Mindestlohn, eine Mietpreisbremse, eine Frauenquote für Aufsichtsräte und die „Ehe für alle“.

Als sich am 24. Oktober 2017 der neue Bundestag konstituierte, wurde Oppermann zu einem der Stellvertreter des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) gewählt.

Thomas Oppermann war Vater von drei Töchtern und einem Sohn.