Zur Anhörung zu Verbraucheraspekten beim Umgang mit Nanomaterial im Verbraucherausschuss erklärt die zuständige Berichterstatterin Rita Schwarzelühr-Sutter:

Nanosilber in Produkten mit zweifelhaften Zusatznutzen können auf lange Sicht zu Resistenzen von Bakterien führen und damit den sinnvollen Einsatz von Nanosilber im Gesundheitsbereich gefährden. Weil es ein großes Wissensdefizit gibt, muss das Vorsorgeprinzip angewandt und endlich Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher ergriffen werden, fordert Rita Schwarzelühr-Sutter.

 

Es gibt keine pauschale Entwarnung, was die potenzielle Gefährlichkeit von Nanomaterialien angeht. Zwar wurde bisher keine Gefahr nachgewiesen. Bei dem großen Wissensdefizit aber muss das Vorsorgeprinzip angewandt und endlich Maßnahmen zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher ergriffen werden. Die Bundesregierung und die Verbraucherschutzministerin stellen sich bisher taub. So hätte schon längst die Warnung des Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR) vor Nanosilber in verbrauchernahen Produkten dazu führen müssen, dass diese Produkte vom Markt genommen werden. Auf die Expertise des BfR hat die Bundesregierung in der Anhörung im Verbraucherausschuss lieber verzichtet. Nanosilber in Produkten mit zweifelhaften Zusatznutzen - wie zum Beispiel der Nanosocke - können auf lange Sicht zu Resistenzen von Bakterien führen und damit den sinnvollen Einsatz von Nanosilber im Gesundheitsbereich gefährden.

 

Wir brauchen mehr Transparenz. Es ist unheimlich, dass niemand die Frage beantworten kann, welche Nanoprodukte bisher auf dem Markt sind. Deshalb müssen alle Produkte, die Nanomaterial enthalten oder mit Nano-Verfahren produziert werden, einer öffentlichen Stelle gemeldet werden. Die überwiegende Mehrheit der Experten bei der Anhörung sprachen sich für die Errichtung eines Produkteregisters aus. Erst dann wären staatliche Stellen überhaupt in der Lage, bei einem Gefahrenhinweis zu reagieren. Zum Teil fehlt es hierfür sogar am rechtlichen Instrumentarium. Die notwendigen Eingriffsmöglichkeiten müssen zügig geschaffen werden.

 

Neben einem Produkteregister brauchen wir eine Kennzeichnung auf allen verbrauchernahen Produkten. Neben dem Hinweis "Nano" sollte die Wirkweise sowie Vorteile und potenziale Risiken erkennbar sein.

 

Um bestehende Wissensdefizite zu schließen, müssen die Mittel für die Risikoforschung erhöht werden. Risikoforschung muss neben der Grundlagenforschung ein zentraler Schwerpunkt in den vom Bundesministerium für Bildung Forschung geforderten Programmen zu Nanotechnologie sein.