Union will AKW-Laufzeiten fast verdoppeln – 60 Jahre Brückentechnologie?
Während Bundesumweltminister Röttgen in den vergangenen Wochen versucht hatte, mit eventuellen Laufzeitverlängerungen von höchstens acht Jahren die Öffentlichkeit einzulullen, lässt der Fraktionsvorstand der Union nun die Katze aus dem Sack: Er möchte Laufzeiten von insgesamt 60 Jahren durchsetzen. Damit würden sich die Laufzeiten der schon jetzt veralteten Reaktoren gegenüber den Vereinbarungen im Atomkonsens fast verdoppeln, erklärt Marco Bülow.
Während Bundesumweltminister Röttgen in den vergangenen Wochen versucht hatte, mit eventuellen Laufzeitverlängerungen von höchstens acht Jahren die Öffentlichkeit einzulullen, lässt der Fraktionsvorstand der Union nun die Katze aus dem Sack: Er möchte Laufzeiten von insgesamt 60 Jahren durchsetzen. Damit würden sich die Laufzeiten der schon jetzt veralteten Reaktoren gegenüber den Vereinbarungen im Atomkonsens fast verdoppeln. Hier noch von einer "Brückentechnologie" zu sprechen ist eine Farce. Dies ist ganz eindeutig Wählerbetrug.
Das Vertrauen, dass Deutschland innovativ und leistungsfähig genug ist, den Umbau seiner Energieversorgung hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien zu bewältigen, fehlt der Union vollends. Die Ankündigungen im Koalitionsvertrag zum Ausbau der Erneuerbaren Energien waren nur Beruhigungspillen für die Bevölkerung, die die Atomenergie mehrheitlich ablehnt und mehr Regenerative Energien wünscht. Die Wirklichkeit in der Union sieht anders aus: Die alten verkrusteten Oligopolstrukturen bei der Energieversorgung sollen auf Teufel komm raus erhalten bleiben.
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Vehemenz sich Unionsabgeordnete wie Joachim Pfeiffer, Michael Fuchs oder Michael Meister für die Atomenergie stark machen. Die Atomkraftwerksbetreiber, die mit jedem Tag längerer Laufzeit mindestens eine Million Euro verdienen, wissen dieses Engagement sicherlich sehr zu schätzen. Die Mehrheit der Bürger, die vor allem an Sicherheit und Arbeitsplätzen interessiert sind, scheinen bei der Union dagegen keine Lobby zu haben.
Es stellt sich die Frage, ob sich die Abgeordneten der Union über die Tragweite ihrer Entscheidung wirklich bewusst sind. Die Atomreaktoren sind nur für eine Laufzeit von 25 Jahren konzipiert worden. Alle Anlagenteile eines AKW altern, auch die, die sich nicht durch Nachrüstungen erneuern lassen. Hinzu kommt, dass es nirgends auf der Welt Erfahrungen mit Laufzeiten von 60 Jahren gibt. Das weltweite Durchschnittsalter der abgeschalteten Atomkraftwerke liegt bei 28 Jahren und damit sogar noch unter den im Atomkonsens ausgehandelten 32 Jahren.
Was veranlasst die Union also dazu, dieses immense Sicherheitsrisiko für Mensch und Natur einzugehen, wenn es Alternativen gibt, die der über ein halbes Jahrhundert alten Atomtechnologie in allen Belangen überlegen sind?