Anlässlich der Expertenanhörung zur Spielzeugsicherheit im Wirtschaftsausschuss des Bundestags erklären die Kinderbeauftrage Marlene Rupprecht, die verbraucherpolitische Sprecherin Elvira Drobinski-Weiß und die zuständige Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion im Wirtschaftsausschuss Andrea Wicklein:

Es ist ein wahrer Giftcocktail, der sich vor allem in importierten Spielzeugen aus Nicht-EU-Ländern mit niedrigeren Umwelt- und Sicherheitsstandards findet. Auf die meisten dieser Stoffe kann längst verzichtet werden. Es muss endlich gehandelt werden. Wir fordern eine Offensive gegen Gift im Spielzeug und für die Gesundheit der Kinder, erklären Marlene Rupprecht, Elvira Drobinski-Weiß und Andrea Wicklein.

 

Es ist ein wahrer Giftcocktail, der sich vor allem in importierten Spielzeugen aus Nicht-EU-Ländern mit niedrigeren Umwelt- und Sicherheitsstandards findet. Importierte Ware stellt inzwischen mit 80 Prozent den Löwenanteil auf dem europäischen Spielzeugmarkt. Aber auch die europäischen Vorgaben reichen trotz Novellierung der EU-Spielzeugrichtlinie nicht aus.

 

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gelten als krebserzeugend, erbgutverändernd und fortpflanzungsschädigend. Dennoch sind die Auflagen für PAK in Autoreifen strenger als für den Einsatz in Kinderspielzeug. Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Kindern warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung im Oktober 2009, dass die derzeit gültigen Werte die Gesundheit von Kindern nicht ausreichend schützen.

 

Hormonell wirksame Flammschutzmittel und Organozinn finden sich in Kuscheltieren und Wasserspielzeug - für Elektrogeräte sind sie längst verboten.

 

Phthalate - als Weichmacher in Plastikspielzeug genutzt - greifen wie alle hormonell wirksamen Substanzen in die Stoffwechselvorgänge ein und werden mit Missbildungen der Geschlechtsorgane, Unfruchtbarkeit bei Jungen, verfrühter Pubertät und Brustkrebs im späteren Alter bei Mädchen in Verbindung gebracht. Für solche Stoffe gibt es keine sicheren Grenzwerte, denn schon extrem geringe Dosen können das Hormonsystem stören. Zudem können sich solche Substanzen gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken.

 

Das ebenfalls hormonell wirksame Bisphenol A wurde von Ökotest in Kinderarmbändern und Schwimmflügeln gefunden. Dänemark hat inzwischen gehandelt und ein nationales Verbot erlassen.

 

Hochgiftigen Stoffe wie Blei und Cadmium können in Spielzeug mit schwermetallhaltigen Farben zu finden sein, und auch vor Duftstoffen und Nickel, die Allergien auslösen können, sind Kinder nicht ausreichend geschützt.

 

Auf die meisten dieser Stoffe kann längst verzichtet werden. Deshalb darf nicht länger hingenommen werden, dass wirtschaftliche Interessen schwerer wiegen als die Kindergesundheit. Es muss endlich gehandelt werden. Wir fordern eine Offensive gegen Gift im Spielzeug und für die Gesundheit der Kinder. Dazu werden wir in den kommenden Wochen einen Maßnahmenkatalog verabschieden, für den sich die Bundesregierung auf EU-Ebene stark machen soll. Wichtige Punkte werden dabei sein:

 

  • die Gleichstellung von Spielzeug mit sogenannten Lebensmittelkontaktmaterialen;

 

  • die Erarbeitung einer Positivliste für Duftstoffe, die nachweislich keine Allergien auslösen und ungefährlich für Kinder sind. Alle übrigen Duftstoffe sollten ohne Ausnahmen verboten werden;

 

  • ein Verbot von hormonell wirksamen Stoffen;

 

  • ein Verbot von hochgiftigen Schwermetallen wie Blei und Cadmium;

 

  • ein komplettes Verbot von krebserregenden, erbgut- und fortpflanzungsschädigenden Stoffen in Spielzeug ohne die bisher in der Spielzeugrichtlinie vorgesehenen Ausnahmen;

 

  • eine verstärkte Untersuchung der Kombinationswirkungen von Chemikalien und die entsprechende Anpassung der Gesetzgebung;

 

  • die Einrichtung einer öffentlich zugänglichen Datenbank, in der die Kontrollergebnisse der Marktüberwachung veröffentlicht und die Inhaltsstoffe der auf dem Markt befindlichen Spielzeugprodukte deklariert werden;

 

  • die Verbesserung der Marktüberwachung zur Sicherung der konsequenten Anwendung der gesetzlichen Vorgaben;

 

  • die Verpflichtung der Hersteller, eine präventive Sicherheitsprüfung und Zertifizierung durch unabhängige Dritte durchführen zu lassen;

 

  • eine den Vorgaben für Spielzeug entsprechende Regelung für Kinderkleidung, denn auch diese wird von Kindern in den Mund genommen und befindet sich direkt auf der Haut.

 

Alljährlich zur Weihnachtszeit ist die Aufregung über Gift im Spielzeug groß. Aber immer noch lassen die zum Schutz der Gesundheit der Kinder notwendigen Konsequenzen auf sich warten. Wir fordern alle Beteiligten auf, sich an unserer Offensive gegen gefährliches Spielzeug zu beteiligen. Mit Taten, nicht nur mit Worten.

 

Unser Ziel: Kein Gift in Kuscheltier, Plastikauto, Schwimmente und Co. unterm Weihnachtsbaum 2010.