Seit sechs Monaten hören wir von den Regierungen in Deutschland und Frankreich, die deutsch-französischen Beziehungen sollten grundlegend erneuert werden, obwohl sie schon so gut seien wie nie zuvor. Leider wird mehr geredet als gehandelt: Deutschland und Frankreich spielen längst das Spiel der nationalen Interessenvertretung. Wenn eine "Abstimmung" stattfindet, dann um den Stabilitätspakt mit Steuersenkungen für die Klientel der Liberal-Konservativen zu sprengen.

Nicht mal in der Finanz- und Wirtschaftskrise haben Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel es geschafft, den europäischen Geist der Zusammenarbeit wiederzubeleben. Stattdessen hören wir beliebige Vorstöße zur Verstärkung der Eurozone, oder zur Ernennung eines deutsch-französischen Ministers, ohne dass diese Erklärungen wirklich ernst gemeint sind.

Am 22. Januar feiern wir zum 47. Mal den Abschluss des Elysée-Vertrages. Diese Grundlage der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Europa muss wieder zum Antrieb für eine starke Kooperation werden. Es wird Zeit, dass Frankreich und Deutschland einen klaren und entschiedenen Schritt Richtung europäischer Integration machen und die schleichende Renationalisierung der Politik beenden. Wir brauchen ein starkes Europa, und ein starkes Europa braucht einen engen Zusammenschluss zwischen Paris und Berlin.

Mehr als neue deutsch-französische Tage brauchen wir eine verdichtete Koordinierung in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, zum Beispiel in Form eines gemeinsamen Beitrags zur Zukunft der Lissabon Strategie. Galileo und EADS sollten kein Zankapfel für beide Regierungen sein, sondern Musterbeispiele für eine europäische Industriepolitik. Am 4. Februar findet der nächste Deutsch-Französische Ministerrat statt. Es bleibt zu hoffen, dass die breit angekündigte Revolution der deutsch-französischen Zusammenarbeit tatsächlich einen Aufbruch in die Zukunft mit sich bringt.

Wie lange noch wird Europa auf Deutschland und Frankreich warten müssen?