Zur aktuellen Diskussion über kontaminierte Kabinenluft in Passagierflugzeugen und der Erklärung der Deutschen Lufthansa AG über einen „Beinah-Absturz“ erklärt der tourismuspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Hans-Joachim Hacker:

Das Eingeständnis der Lufthansa, dass es sich um lange bekannte Probleme handelt, die vorgenommen Änderungen an Triebwerken sowie der angekündigte Einsatz von Warngeräten machen deutlich: Die Koalitionsfraktionen und die Bundesregierung haben die Gefahr durch kontaminierte Kabinenluft bewusst verharmlost. Der FDP-Abgeordnete Torsten Staffeldt erklärte noch am Freitag in der Bundestagsdebatte zu dem Thema, es würde Hysterie verbreitet. Schon wenige Stunden später ist endgültig klar: Ignoranz ist das Markenzeichen, für das Schwarz-Gelb bei diesem Thema steht.

Die Lufthansa hat jetzt, wenn auch spät, das einzig Richtige getan: Sie räumt Gefährdungen ein und will mit Forschungseinrichtungen ein Analysegerät zur Kontrolle der Kabinenluft entwickeln. Das hatte die SPD-Bundestagsfraktion gefordert. Schwarz-Gelb hatte auch dies am vergangenen Freitag abgelehnt.

Seit Monaten beschäftigen sich Tourismus- und Verkehrspolitiker des Deutschen Bundestages mit den Ursachen und offensichtlichen Risiken kontaminierter Kabinenluft aus dem Zapfluftsystem der Triebwerke von Passagiermaschinen. Auch bei dem jetzt bekannt gewordenen Vorfall mit dem Airbus 319 von Germanwings (Flug 753 am 19. Dezember 2010), der beim Anflug auf den Flughafen Köln offenbar nur durch das beherzte Reagieren des Kapitäns eine Katastrophe entging, spielten Probleme mit der Kabinenluft eine Rolle.

Experten warnen seit Jahren davor, dass bei defekten Dichtungen gesundheitsschädliche Stoffe wie das Nervengift Trikresylphosphat (TKP) mit der Zapfluft ins Cockpit sowie in die Passagierkabine gelangen können. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) dokumentiert seit Jahren Vorfälle, die Belastungen von Kabinenluft belegen.

Diese Warnungen hatte eine Expertenanhörung des Tourismusausschusses desDeutschen Bundestages am 21. September 2011 bestätigt. SPD und Grüne haben mit Anträgen im Bundestag die Bundesregierung aufgefordert, Maßnahmen einzuleiten, um die Ursachen der Luftbelastung in Passagiermaschinen aufzuklären und in der Folge die Risiken für Besatzungen und Passagieren zu beseitigen. Die Koalitionsfraktionen haben beide Anträge in den Ausschussen und in der abschließenden Lesung im Bundestag am vergangenen Freitag abgelehnt. Das Motto bei CDU/CSU und FDP: Augen zu und durch.

Bei allen Fragen zu diesem Thema  fühlt sich der zuständige Bundesminister Peter Ramsauer nicht angesprochen und verhält sich nach dem bekannten Motto der drei Affen: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Diese Ignoranz gegenüber den seit Monaten diskutierten Risiken im Passagierflugverkehr ist ein politischer Skandal. Das Schweigen von Minister Ramsauer zu dem aktuell bekanntgewordenen Vorfall führt zu der Frage nach der fachlichen Eignung eines Ministers, für den die Wiederbelebung von alten PKW-Ortskennzeichen offensichtlich wichtiger ist, als die Beseitigung von Gefahren im Flugverkehr. Die Zeit der Verharmlosung und Verdrängung ist vorbei.