Der Deutsche Bundestag bekräftigt über Parteigrenzen hinweg die tiefe Freundschaft mit Polen
Der bis heute erfolgreiche deutsch-polnische Aussöhnungsprozess ist die beste Voraussetzung dafür, dass die Last der Vergangenheit zu einer Chance für die Zukunft werden kann. Deshalb wollen wir uns dafür einsetzen, dass nicht nur die Kenntnisse über die dunklen Seiten unserer gemeinsamen Geschichte nicht verblassen, sondern darüber hinaus die Sensibilität und das Verständnis für Geschichtsbilder und Erinnerungen des jeweils anderen gefördert werden. Wir wollen ein gemeinsames Erinnern, dass immer auch ein von einander Lernen im gegenseitigen Respekt beinhalten muss.
Wir Deutsche, aber auch Europa als Ganzes, haben dem polnischen Volk viel zu verdanken. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der dramatischen und tragischen Momente in den deutsch-polnischen Beziehungen sind die vergangenen 20 Jahre seit Unterzeichnung des "Vertrages über gute Zusammenarbeit und freundschaftliche Zusammenarbeit" vom 17. Juni 1991 eine optimistisch stimmende europäische Erfolgsgeschichte. Dieser Vertrag gilt heute als Modell für die Entwicklung von historisch belasteten Beziehungen zwischen Nationen hin zu einer friedlichen und intensiven Kooperation zwischen demokratischen Staaten. Aus dem Vertrauensvorschuss, den uns unseren polnischen Nachbarn gewährten, wuchs beiderseitiges Vertrauen.
Deutschen und Polen ist es in den letzten 20 Jahren gelungen, dieses Vertrauen zu vertiefen, ihre Zusammengehörigkeit zu festigen und offene und strittige Fragen in gegenseitigem Einvernehmen schrittweise zu beantworten. Für die Zukunft Europas können und sollten wir uns auf dieses gewachsene Potenzial unserer Partnerschaft besinnen. Gute Nachbarschaft bedeutet, bei eigenen politischen Überlegungen die Positionen des Partners mitzudenken.
So sollten die deutsch-polnischen Beziehungen als ein Beispiel für das Zusammenwachsen der alten und neuen EU-Mitgliedstaaten betrachtet werden. Dazu brauchen wir die Aufbruchstimmung, den Mut und den Gestaltungswillen aller Beteiligten, ohne die die Veränderungen in Europa seit den 1990er Jahren nicht denkbar gewesen wären. Die Einheit Europas ist keine Selbstverständlichkeit. Menschen in Ost und West haben sie errungen und werden mit Überzeugung und Kraft an ihrer zukünftigen Gestaltung arbeiten. Nur mit Polen ist europäischer Fortschritt zu erreichen.
Deshalb wollen wir jetzt gemeinsam mit unseren polnischen Partnern ein neues Kapitel in unseren Beziehungen aufschlagen. Aufgrund unserer gemeinsamen Geschichte sehen wir Deutschland und Polen nunmehr in der Verantwortung sich zusammen noch intensiver, als bisher durch politisches Handeln für die europäische Einigung zu engagieren. Beide Länder streben danach, dass die Europäische Union auch künftig ein Raum des Wohlstands, der Sicherheit und der Freiheit bleibt, ein Europa der Bürger wird. Bedingung hierfür ist, eine nach innen wie außen handlungsfähige EU, die fest auf der Basis europäischer Werte und Prinzipien wie Freiheit, Solidarität, Gleichheit, Demokratie und Menschenrechte fußt. Im Kontext dieser gemeinsamen, europapolitischen Verantwortung wollen wir unsere Partnerschaft mit Polen weiterentwickeln.