Zu den Ereignissen in Japan erklärt der für Atomenergie zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion Marco Bülow:

Fassungslos und bestürzt verfolgen wir die Geschehnisse in Japan. Wir gedenken der vielen Opfer und hoffen, dass die internationale Staatengemeinschaft Japan in jeder Hinsicht unterstützen wird.

Nach dem katastrophalen Erdbeben und dem zerstörerischen Tsunami folgt zusätzlich eine nukleare Katastrophe. Ein Ereignis, was erneut zeigt, dass wir diese gefährliche Technologie nicht beherrschen können Wir hoffen, dass die Ingenieure vor Ort das schlimmste abwenden können, die Evakuierungs- und Notfallmaßnahmen so schnell und effektiv laufen, dass so wenig Menschen wie möglich Opfer von nuklearer Strahlung werden. Deutschland muss alles dafür tun, Japan bei der Bewältigung der Katastrophe zu helfen.

Fast genau 25 Jahre nach Tschernobyl muss endlich den letzten Atomenergiebefürwortern klar werden, dass wir aus der Atomkraft aussteigen müssen. Es ist tragisch, dass wir nicht rechtzeitig die Schlüsse aus den Kernschmelzen in Three Mile Island/Harrisburg, Tschernobyl und vielen weiteren ernsten Störfällen gezogen haben. Es gibt Alternativen zur Atomkraft. Wir dürfen nicht länger warten, bis auch in Westeuropa technisches oder menschliches Versagen zu schwerwiegenderen Unfällen führt.

Es hat nichts mit Panikmache oder Instrumentalisierung der Opfer in Japan zu tun, wenn jetzt weitergehende Forderungen aufgestellt oder erneuert werden. Im Gegenteil, Beschwichtigungen, Verzögerungen oder Aussitzen wäre extrem verantwortungslos und fahrlässig.

Deshalb fordern wir:

  1. Die sieben ältesten Reaktoren in Deutschland sowie das AKW Krümmel müssen sofort endgültig abgeschaltet werden. Dies ist problemlos möglich, ohne dass Versorgungsnotstände entstehen.

  2. Die Laufzeitverlängerung muss sofort annulliert werden.

  3. Wir müssen den Umbau unseres Energieversorgungssystems hin zu den Erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz beschleunigen, um die neun restlichen Reaktoren deutlich schneller vom Netz zu nehmen als im rot-grünen Atomausstiegsbeschluss vorgesehen.

  4. Die jetzige und alle zukünftigen Bundesregierungen müssen sich verstärkt für einen europäischen und weltweiten Atomausstieg einsetzen.

Viele deutsche Reaktoren sind nachweisbar nicht auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik. Deutschlands Atomkraftwerkspark gehört zu den ältesten der Welt. Selbst Deutschlands jüngstes AKW Neckarwestheim 2 ist schon über 20 Jahre in Betrieb. Mit dem Bau der AKW in Brunsbüttel, Biblis oder Philippsburg wurde vor über 40 Jahren begonnen. Deren wesentliche Technologie und baukonstruktiven Rechnungen stammen aus den 60er Jahren. Wir brauchen sichere und saubere Zukunftstechnologien und keine jahrzehntealte Risikotechnologie.