Die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft wollte heute die Beratung des Zwischenberichtes abschließen und die Berichtsteile der Projektgruppen Urheberrecht, Netzneutralität und Datenschutz verabschieden. Zunächst hat die Koalition bei der Abstimmung der Handlungsempfehlungen der Projektgruppe Urheberrecht mehrere Abstimmungen verloren, weil ein Teil der von CDU/CSU und FDP benannten Sachverständigen für Vorschläge der Oppositionsfraktionen votierten. Daraufhin hat die Koalition mit leicht durchschaubaren Geschäftsordnungstricks und mit ihrer Verfahrensmehrheit die abschließende Beratung der Berichtsteile Datenschutz und Netzneutralität von der Tagesordnung nehmen lassen und die Abstimmung auf den Herbst verschoben.

Dies ist bedauerlich und vom Verfahren her angesichts der bisherigen Arbeit der Enquete-Kommission unwürdig, da die Beratungen der Projektgruppen Datenschutz und Urheberrecht abgeschlossen waren und es jeweils - neben einem umfassenden Sondervotum der Oppositionsfraktionen - auch einen konsentierten Entwurf für gemeinsame Handlungsempfehlungen aller Fraktionen gab. Offenbar war aber die Sorge zu groß, die Abstimmungen vor allem hinsichtlich einer gesetzlichen Verankerung der Netzneutralität oder aber zum Arbeitnehmerdatenschutz in der Enquete-Kommission zu verlieren.

Dabei sollte die Koalition bedenken, dass sie die Tagesordnung zwar mehrheitlich ändern, dass sie aber interne Differenzen nicht ewig vertagen kann. Die Koalition sollte schnell erklären, wie sie sich die weitere Arbeit der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft vorstellt. Wenn die Koalition so weiter macht wie bei der heutigen Sitzung stellt sie den Erfolg der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft insgesamt in Frage.