Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist ein abscheuliches Verbrechen. Es muss alles dafür getan werden, die Fälle sexueller Gewalt rückhaltlos aufzuklären, die Opfer so gut es geht zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, ihre Traumatisierungen zu verarbeiten. Die Kinderschänder müssen die Verantwortung für ihre Taten übernehmen und sich klar zu ihrer Schuld bekennen.

Aber sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist nicht nur ein Problem der Vergangenheit. Sexueller Missbrauch findet auch heute statt - wahrscheinlich sogar in viel größerem Umfang, als es unsere Gesellschaft wahrhaben will. Deshalb muss alles unternommen werden, um sexuelle Gewalt heute wirksam zu bekämpfen und in Zukunft effektiv vorzubeugen.

Der von der Bundesregierung einberufene Runde Tisch und die Ernennung von Christine Bergmann zur unabhängigen Missbrauchsbeauftragten bieten die Chance, einen breiten Konsens über die erforderlichen Hilfen und die notwendigen präventiven Maßnahmen zu erzielen und eine gesellschaftliche Kultur des Hinsehens anzustoßen.

Der Runde Tisch muss sich unter anderem auf folgende Ziele und Maßnahmen verständigen:

  • Niedrigschwellige Beratungsstellen und Hilfsangebote müssen flächendeckend ausgebaut, finanziell abgesichert und besser bekannt gemacht werden. Alle Hilfebedürftigen müssen wissen, wo sie Hilfe finden. Und alle Hilfesuchenden müssen sich darauf verlassen können, Hilfe und Beratung zu erhalten. Dazu gehört auch der Zugang zu Therapieangeboten, etwa zur Aufarbeitung von Traumata.

  • Kinder, Jugendliche und Eltern müssen dafür sensibilisiert werden, Missbrauch zu erkennen und zu thematisieren.

  • Private und öffentliche Einrichtungen brauchen verbindliche Regelungen und klare, einheitliche Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen.

  • Das Thema sexueller Missbrauch und Gewalt muss in den Aus- und Weiterbildungen von Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, umfassend berücksichtigt werden. Die Qualifizierungsinhalte von Pädagoginnen, Pädagogen und anderen Berufsgruppen müssen systematisch überprüft werden.

  • Die Erforschung der Bedingungen und Ursachen sexueller Gewalt und die Evaluation der Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen sollte intensiviert werden.

  • Die Union muss sich endlich dazu durchringen, einer Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz zuzustimmen.

Die Arbeit des Runden Tisches wird nur erfolgreich sein können, wenn vor allem die Opfer sexueller Gewalt am Runden Tisch umfassend Gehör finden. Die SPD-Bundestagsfraktion bezweifelt, dass dies bei der derzeitigen Zusammensetzung des Runden Tisches hinreichend gewährleistet ist. Wir fordern die Bundesregierung auf, insbesondere die Vertreter unabhängiger Beratungsstellen umfassender in die Arbeit des Runden Tisches einzubeziehen und die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen.

Die SPD-Bundestagsfraktion wird von ihrer Kinderbeauftragten Marlene Rupprecht, MdB am Runden Tisch vertreten.