Hans-Jochen Vogel wurde am 3.2.1926 als Sohn eines Privatdozenten in Göttingen geboren. Nach seinem Abitur 1943 wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Nach Kriegsende studierte er Jura in Marburg, promovierte und schloss1951 mit der großen juristischen Staatsprüfung ab.

 

1950 trat er in die SPD ein und wurde nach juristischer Laufbahn in Bayern Rechtsreferent des Stadtrats von München.

 

1960 wurde er dort im Alter von 34 Jahren zum Oberbürgermeister gewählt. Wesentliche städtebauliche und verkehrspolitische Neuerungen gelangen ihm im Umfeld der Olympischen Spiele 1972 in München. Jedoch trugen die Auseinandersetzungen mit der Parteilinken der Münchner SPD dazu bei, dass er als Minister für Raumordnung und Städtebau in die Bundesregierung nach Bonn wechselte.

 

Im Kabinett Schmidt wurde er 1974 Justizminister. In diesem Ressort erzielte er mit hoher Professionalität wesentliche Erfolge.

 

In Loyalität zum Kanzler unternahm er 1981 Anstrengungen als einer der wichtigsten Männer der Regierungsmannschaft die Regierungskrise in Berlin als Nachfolger von Dietrich Stobbe im Amt des Regierenden Bürgermeisters zu überwinden. Trotz hohem Einsatz und großer Konsolidierungsleistung für die Berliner SPD konnte diese die Senatswahl nicht für sich entscheiden, Vogel musste das Amt an Richard von Weizsäcker abtreten.

 

1982 wurde er nach dem Zerfall der sozial-liberalen Koalition von der SPD als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 1983 nominiert und übernahm die Führung der Opposition in Bonn. Seine Kompetenz, Sachlichkeit und sein Durchsetzungsvermögen gaben der Bundestagsfraktion sofort eine neue Ausrichtung in konzentrierter Parlamentsarbeit, die der konservativen Regierung in allen Bereichen mit sozialdemokratischen Gegenvorstellungen antwortete.

 

Nach Willy Brandts Rücktritt vom Parteivorsitz 1987 übernahm Vogel auch dieses Amt, das für ihn 1989 mit dem besonderen Höhepunkt der Verabschiedung des "Berliner Programms" als neuem Grundsatzprogramm der SPD 30 Jahre nach Godesberg gekrönt war. Auch die Unterstützung der jungen Sozialdemokratie im Osten und schließlich ihre Zusammenführung mit der West-SPD wurde von Vogel mit großem Engagement geleitet.

 

Nach der Bundestagswahl 1990, die die konservative Regierung bestätigte, gab Vogel 1991 zuerst den Parteivorsitz an Björn Engholm ab und im gleichen Jahr den Fraktionsvorsitz an Hans-Ulrich Klose, um die jüngere Generation der SPD-Politiker in die Führungspflicht zu nehmen.

 

Hans-Jochen Vogel setzte sein Arbeitkraft bis zu seinem Ausscheiden aus dem Parlament 1994 vor allem in der Verfassungskommission ein, in der er trotz mancher Enttäuschung doch erreichte, dass Umweltschutz und Frauenförderung als Staatsziele und das Verbot der Diskriminierung von Behinderten darin verankert wurden. "Gegen das Vergessen, für Demokratie" ist nicht nur der Name der Vereinigung, die er angesichts des zunehmenden Rechtsradikalismus ins Leben gerufen hat, sondern treffende Kennzeichnung für Hans-Jochen Vogels politisches Leben.