Ein Debattenbeitrag von Maxi Köhler

Ende vergangenen Jahres hat die SPD-Bundestagsfraktion ihre traditionellen Jugendpressestage veranstaltet. In dem Rahmen waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, einen Kommentar zum Thema Integration von Flüchtlingen an die Fraktion zu senden. Die besten fünf Beiträge veröffentlicht spdfraktion.de nun.

Vor einiger Zeit ging ein Interview durch die deutschen Medien, in dem man einen kleinen Jungen fragte, ob in seinem Kindergarten auch Ausländer seien. Daraufhin schaute er ganz bestürzt und antwortete: „Nein, da sind nur Kinder.“ Seine Antwort war sehr bewegend und stimmte nachdenklich. Warum fällt es Kindern so leicht, tolerant zu sein und völlig ohne Vorurteile mit einem anderen Kind zu spielen? Kinder machen sich nicht ständig darüber Gedanken, ob es mit der Glaubensrichtung des anderen Kindes einverstanden ist oder nicht.

Anderes formuliert: Warum fällt es Erwachsenen so schwer, weltoffen zu sein, zu teilen, sich auszutauschen?

Überall heißt es, man habe Angst, die deutschen Werte und die deutsche Leitkultur würden verloren gehen und eine andere Religion würde über uns bestimmen.
Hat eigentlich jemals jemand über die riesige Chance nachgedacht, die uns Zuwanderung bringt? Nein? Warum auch? Man könnte so vieles lernen, sich über so vieles austauschen. Vielleicht wollen die Geflüchteten gar nicht unsere Kultur kaputt machen, sondern könnten auch zu einer kulturellen Vielfalt in Deutschland beitragen?

Wer den Austausch und den Kontakt mit Geflüchteten sucht, wird erkennen, was für eine Bereicherung ihre Zuwanderung für uns sein kann. Andere Kulturen bedeuten eine andere Weltanschauung – anderes Essen, andere Religion, andere Mode, andere Musik, andere Kunst, andere Sprachen. Wann haben die Deutschen denn aufgehört, neugierig zu sein, neue Dinge kennenzulernen, einander zu helfen, ihren eigenen Horizont zu erweitern?

Deshalb ist es umso wichtiger, Geflüchtete zu integrieren. Ihnen zu helfen, so dass sie sich hier wohlfühlen und ihnen ein neues, vielleicht sogar besseres zuhause zu bieten, da ihres gerade zerstört wird. Wir können ihnen Schutz und Halt in einer so schnelllebigen Zeit bieten.

Was wäre denn schon dabei, mit ihnen zusammen in den Supermarkt einkaufen zu gehen, zusammen zum Arzt zu gehen oder mit ihnen zusammen Sport zu machen? Kann es eine bessere Integration geben, als mit den Geflüchteten Zeit zu verbringen, ihnen bei alltäglichen Situationen zu helfen und sie zu begleiten? Ich denke nicht. Geradezu spielerisch lernen sie dabei unsere Sprache, und wir können uns mit ihnen über ihre Speisen oder ihre Gewohnheiten in der Heimat austauschen. Das ist ein Gewinn für beide Seiten. Hat das wirklich noch niemand erkannt?

In einer so globalisierten Gesellschaft wie wir sie heutzutage vorfinden, wäre es hinterwäldlerisch, andere Kulturen und Gepflogenheiten zu ignorieren und stur auf der eigenen Kultur zu beharren. Natürlich ist es wichtig, diese zu bewahren, aber sich vor einer kulturellen Vielfalt zu verschließen und am liebsten Mauern errichten zu wollen, ist nicht unserem Zeitalter entsprechend.

Lasst uns neugierig sein und erkunden, was die neue Situation in Deutschland an Vorteilen mit sich bringen kann!