Die Zulassung von Fernlinienbussen schadet dem Schienenverkehr
Die Bundesregierung plant die Zulassung des Busfernlinienverkehrs. Sie handelt dabei gegen besseres Wissen. Die Bundesregierung gibt selbst zu, dass die Zulassung von Busfernlinien dazu führen wird, dass viele der Schienenprojekte nur noch wenig Sinn machen. Und während Verkehrsminister Ramsauer davon ausgeht, dass Fernbuslinienverkehr PKW-Fahrten spart, geht das eigene Ministerium vom Gegenteil aus, sagen Uwe Beckmeyer und Martin Burkert.
Die Bundesregierung plant die Zulassung des Busfernlinienverkehrs. Ein entsprechender Entwurf befindet sich in Vorbereitung. Sie handelt dabei gegen besseres Wissen. Die Bundesregierung gibt in ihrem Bericht vom 10. November 2010 zur Überprüfung der Bedarfspläne für die Bundesschienenwege und die Bundesfernstraßen selbst zu, dass die Zulassung von Busfernlinien dazu führen wird, dass viele der Schienenprojekte nur noch wenig Sinn machen. Doch es kommt noch besser: Während Bundesminister Ramsauer noch davon ausgeht, dass Fernbuslinienverkehr PKW-Fahrten spart, geht das eigene Ministerium vom Gegenteil aus. So heißt es in dem Bericht im Rahmen der Bedarfsplanüberprüfung Schiene, dass sich die Verkehrsnachfrage in Busfernlinien zu rund 60 Prozent aus Verlagerung vom Schienenpersonenverkehr, zu 20 Prozent aus Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr und zu weiteren 20 Prozent aus induziertem Busfernverkehr zusammensetzt.
Die Konsequenzen eines Einstiegs ins Fernbusgeschäft: Bei Konkurrenz auf gleicher Strecke dürfte die Bahn weniger frequentierte Strecken den Bussen überlassen und ihr Schienennetz ausdünnen. Dies führt zu einem Arbeitsplatzabbau im Schienenverkehr, der durch den Ausbau des Busfernverkehrs nicht aufgefangen werden kann. Daher steht die SPD-Bundestagsfraktion einer Ausweitung des Fernbusverkehrs äußerst skeptisch gegenüber.
Die Deutsche Bahn sieht sich nun gezwungen im Fernbusgeschäft mitzumischen. Ab 2011 möchte die Bahntochter BEX gleich mehrere neue Strecken in Konkurrenz zu ihrem Kerngeschäft der Schiene anbieten. Die SPD-Bundestagsfraktion möchte Herrn Grube an dieser Stelle an seine eigenen Worte erinnern. Die Bahn soll weiterhin ihr Brot- und Buttergeschäft machen und sich aufs Kerngeschäft konzentrieren als auch noch aktiv unterstützen, dass mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert wird.
Auch andere Busunternehmen locken bereits mit Schnäppchenpreisen. Doch wozu führt dieser gnadenlose Preiskrieg? Billigfahrten im Fernverkehr sind auf den ersten Blick von Vorteil für den Verbraucher. Wer aber auch Dauer Billiganbieter sein will, riskiert technische Mängel und Sicherheitsrisiken.
Die Bundesregierung sollte ihre Pläne zur Zulassung von Fernbuslinien beerdigen und sich stattdessen um den Ausbau des chronisch unterfinanzierten Schienenverkehrs kümmern.