Koalition beschließt schleichende Austrocknung der Mittel für Dopingbekämpfung
Die Regierungskoalition gibt sich bei der Finanzierung der Dopingbekämpfung weiter geizig. CDU/CSU und FDP haben Anträge der SPD-Fraktion abgelehnt, die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) und die Weltdopingagentur (WADA) finanziell mehr zu unterstützen, beklagt Martin Gerster.
Die Regierungskoalition gibt sich bei der Finanzierung der Dopingbekämpfung weiter geizig. Nach der schwarz-gelben Mehrheitsentscheidung, den Sportausschuss nur noch nichtöffentlich tagen zu lassen, lehnten CDU/CSU und FDP Anträge der SPD-Fraktion ab, die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) und die Weltdopingagentur (WADA) finanziell mehr zu unterstützen.
Das Budget der WADA und das Stiftungskapital der NADA müssen weiter erhöht werden, um eine effektive Bekämpfung des Doping und einen "sauberen Sport" zu gewährleisten. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte in den Beratungen zum Haushalt des Innenministeriums beantragt, wie bisher eine Million Euro der Sportfördermittel des Bundes an die NADA zum Aufbau von Stiftungskapital zu geben. Aus den Erträgen aus dem Stiftungskapital soll sich die NADA dauerhaft finanzieren.
In den vergangenen Jahren ist es nicht gelungen, neben dem Bund und dem organisierten Sport weitere zuverlässige und dauerhafte Finanzierungsquellen zu erschließen. Der Haushalt der NADA beträgt in diesem Jahr 5,9 Millionen Euro; dabei fallen die Beiträge der Wirtschaft und der Länder viel zu gering aus. Es ist ein schwerer Schlag für die Arbeitsfähigkeit der NADA, wenn nun die als Anschubfinanzierung dargestellten Bundeszuschüsse ab den Jahr 2013 eingestellt werden sollen. Das Kapital der NADA-Stiftung (derzeit rund 12,9 Millionen Euro) muss solange anwachsen, bis jährliche Rückflüsse eine unabhängige Finanzierungsbasis neben den Beiträgen des Sportes bilden können. Daher sollte auf Antrag der SPD-Fraktion auch im Jahr 2012 ein Zuschuss zum Stiftungskapital in Höhe von eine Million Euro gewährt werden. Die Beiträge zum laufenden Haushalt der NADA in Höhe von einer Million Euro müssen auch über das Jahr 2012 hinaus sicher gestellt werden, da die Doping-Bekämpfung im öffentlichen Interesse ist.
Erst wenn sich gesellschaftliche Kräfte in ausreichendem Maße engagieren, um die Arbeit der NADA mit unverminderter Effektivität fortzusetzen oder sie sogar zu steigern, kann sich der Bund aus seiner Verantwortung zurückziehen.
Die finanzielle Ausstattung der WADA ist angesichts des weltweiten Netzwerks organisierter Kriminalität, das am Doping beteiligt ist, unzureichend. Schätzungen der WADA zufolge werden allein im Breitensport pro Jahr rund 15 Milliarden Euro für Dopingmittel ausgegeben und dopende Spitzensportler verfügen über ausgeklügelte Netze von Ärzten, Pharmazeuten, Managern und anderen Hilfskräften. Demgegenüber wirken die 27 Millionen Dollar, die der WADA im Jahr 2011 zur Verfügung standen, bescheiden. Die WADA hat nach Kritik - unter anderem von Seiten der Bundesregierung - an den Haushaltszuwächsen früherer Jahre für 2012 nur um eine maßvolle, die Inflation ausgleichende Steigerung von zwei Prozent gebeten. Für Deutschland geht es dabei um einen geradezu lächerlich anmutenden Betrag von rund 12.000 bis 15.000 Euro (abhängig vom Wechselkurs zum USD). Der Einspareffekt ist marginal, die politische Botschaft fatal.
Wer wie die Bundesregierung gemeinsam mit europäischen Partnern ein nominales Nullwachstum verfolgt, zwingt die Agentur in Wirklichkeit dazu, ihre Aktivitäten einzuschränken. Angesichts der enormen Herausforderungen bei der internationalen Doping-Bekämpfung wäre dies - gerade im Jahr der nächsten olympischen und paralympischen Spiele in London - das falsche Signal.