Gesundheitsforschungsprogramm: Kommerzielle Verwertung statt nachhaltige Versorgung
Nach vielen Verschiebungen und Verzögerungen hat die Bundesregierung gestern endlich ihr Gesundheitsforschungsprogramm vorgestellt und das Warten hat sich nicht gelohnt. Das rund 50-seitige Papier strotzt vor Allgemeinplätzen und großformatigen Bildern. Klare Konzepte und innovative Ansätze der Forschungsförderung sucht man hingegen vergeblich.
Unter dem Leitmotiv einer "verstärkten Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft" werden alle Aktionsfelder des Forschungsprogramms von der Gesundheitswirtschaft bis zur individualisierten Medizin abgehandelt. Die Bundesminister Schavan und Rösler setzen bei der Gesundheitsforschung offenkundig lieber auf Wirtschaftsförderung als auf Patientenorientierung.
So wird der Wachstumsmarkt der Gesundheitswirtschaft in den höchsten Tönen gelobt, die schon heute bestehenden Probleme bei der Verteilung knapper Ressourcen im Gesundheitswesen aber nur als Randnoten erwähnt.
Technische Lösungen dominieren das Konzept der Bundesregierung. So unbestritten wichtig die Genomforschung, die Systembiologie und die Telemedizin auch sind, so erforderlich ist es doch, diese Forschungsfelder mit einem Ausbau der Versorgungsforschung, der Pflegeforschung, und der Entwicklung von Konzepten, die in naher Zukunft insbesondere den chronisch kranken Menschen konkrete Hilfen zur Verfügung stellen können, zu verknüpfen. Stattdessen wird von der Bundesregierung die Dienstleistungsforschung auf Telemedizin und elektronische Patientenakten reduziert.
Selbst bei einem so unstreitig wichtigen Thema wie der Zukunft der Gesundheitsforschung in Deutschland ist es der Bundesregierung gelungen, ein einseitig von Lobbyinteressen durchsetztes "Rahmenprogramm zur Förderung der Gesundheitswirtschaft" auf den Weg zu bringen. Verlierer sind einmal mehr die kranken Menschen, die sich in naher Zukunft Hilfestellungen durch die Gesundheitsforschung erhofft haben.