Zur gestrigen Rede des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor dem US-Kongress erklärt der Berichterstatter für den Nahen und Mittleren Osten der SPD-Bundestagsfraktion Günter Gloser:

Nach der wegweisenden Rede von US-Präsident Barack Obama vom Ende letzter Woche war die lang angekündigte Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Enttäuschung. Zu begrüßen ist zwar sein grundsätzliches Bekenntnis zum Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat. Die erneut bekräftigten harten Vorbedingungen für Friedensgespräche lassen aber keinerlei Willen erkennen, diesem Frieden in konkreten Verhandlungen auch wirklich bald näher zu kommen. Mehr noch: Die strikte Weigerung Netanjahus, mit der sich abzeichnenden palästinensischen Einheitsregierung zu verhandeln, droht zu einer zusätzlichen Blockade der Gespräche zu führen.

Auch die Düpierung des amerikanischen Präsidenten in der Grenzfrage geschah vorsätzlich und ohne Not. Denn Obama hatte die Grenzen von 1967 als Ausgangspunkt und nicht als Endstatus empfohlen. Aber selbst das ist dem Hardliner Netanjahu wohl nicht zuzumuten.

Man hätte gern mehr über das Netanjahu versprochene "große Entgegenkommen" gegenüber den Palästinensern erfahren. Mit seiner Rede schafft Netanjahu stattdessen neue Fronten. Das "Fenster der Gelegenheit" für Verhandlungen steht aber nicht unendlich lang offen.