Thomas Oppermann, Fraktionsvorsitzender:

„Wir trauern um Horst Ehmke, der am vergangenen Sonntag im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Horst Ehmke war ein glänzender Verfassungsjurist, ein brillanter Rhetoriker und ein wichtiger Impulsgeber für die Sozialdemokratie.

Als Seiteneinsteiger von oben hat er sich selbst einmal bezeichnet. Vor seiner politischen Karriere profilierte er sich in der Spiegel-Affäre, indem er als Anwalt das Magazin vor dem Bundesverfassungsgericht vertrat.

In der Großen Koalition zeigte sich bereits sein strategisches Talent durch sein Konzept der Abgrenzung zum Koalitionspartner. Unter Willy Brandt war er als Chef des Kanzleramts eine prägende Figur in der sozialliberalen Koalition: Der Jurist gestaltete entscheidend die Ostpolitik mit. Früh setzte er sich für ein unverkrampftes Verhältnis zu den Grünen ein ohne den Gesprächsfaden zu den Liberalen abreißen zu lassen.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Regierung blieb er der SPD treu und unterstützte als stellvertretender Fraktionsvorsitzender den Parteivorsitzenden Hans-Jochen Vogel. Als Außen- und Innenpolitiker blieb er eine wichtige Stimme. Auch nach seiner aktiven Zeit als Politiker war er ein wichtiger Ratgeber. Er wird der Sozialdemokratie fehlen.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden.“