Yulia Babayeva

Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich mit meinen Söhnen in diesem Land leben darf.

Yulia kommt aus Winnyzja. Bei Kriegsbeginn ist sie aus der Ukraine geflüchtet und hat sie für vier Monate verlassen, kam aber wieder zurück – weil sie nach Hause, in ihrer Heimat zurückwollte. Sie arbeitet für eine Veteranenorganisation und leitet ein multidisziplinäres Team am Rehabilitationszentrum Podillya, die mit Menschen arbeiten, die erblindet sind.

4 Jahre Angriffskrieg auf die Ukraine – Yulia

Interview mit Yulia

Stellen Sie sich bitte kurz vor.

Mein Name ist Yulia Babayeva, ich komme aus Winnyzja. Ich arbeite in einer Veteranenorganisation und versuche zu verändern, wie mit Menschen gearbeitet wird, die ihr Augenlicht verloren haben.

Welche Erinnerungen aus den vier Jahren des Krieges sind Ihnen am stärksten im Gedächtnis geblieben?

Am eindrucksvollsten war der dritte Kriegstag: die polnisch-ukrainische Grenze, kilometerlange Autoschlangen, verängstigte Menschen mit kleinen Kindern, Großmütter, die ihre Enkel auf den Schultern trugen, Menschen, die ihre Autos stehen ließen und einfach zu Fuß die Grenze überquerten.

Wie hat der Krieg Ihren Alltag verändert?

Er hat absolut alles verändert – angefangen bei meinem Leben, meinen Plänen, meinen Träumen und sogar meinem Beruf.

Was zählt in Zeiten des Krieges wirklich?

Tatsächlich kommt es auf die Menschen und ihren Charakter an. Das ist das Wichtigste.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Die Menschen geben mir Hoffnung – wieder einmal. Und die Tatsache, dass ich in meinem Land leben möchte.

Warum geht uns der Krieg in der Ukraine alle an?

Es gibt heute praktisch niemanden mehr in der Ukraine, in dessen Familie es keinen Soldaten gibt oder der keine Verlust erlitten hat oder von etwas anderes im Zusammenhang mit dem Krieg betroffen ist. Und das gilt für uns alle, die in unserem Land leben und unsere Identität verteidigen wollen.

Was sind die größten Herausforderungen und Chancen, die Sie für die Zukunft sehen?

Die größte Herausforderung wird meiner Meinung nach sein, wie wir mit unseren Veteranen zusammenarbeiten werden – insbesondere mit denen, die komplexe Behinderungen haben. Von denen gibt es Zehntausende in unserem Land gibt.


Und, wie wir die Wirtschaft wiederaufbauen, welchen Lebensstandard wir haben werden und wie sich die Gesellschaft und neue Generationen daran anpassen werden.

Was ist Ihr größter persönlicher Wunsch für die Zukunft – und vielleicht ein Dank?

Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich mit meinen Söhnen in diesem Land leben darf. Denn zu Beginn des Krieges war selbst eine Geflüchtete. Ich weiß also, wie es ist, vier Monate im Ausland zu leben; in einem wunderschönen Land, aber Zuhause ist es viel besser. Und mein größter persönlicher Wunsch ist es, meinen Söhnen eine richtig tolle Ausbildung zu ermöglichen.


Danke.

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Videos und Interviews: Dmytro Duma, Bohdan Ferens, SD-Plattform