Oleksandr Yatsyna

Der Krieg hat das Leben in vorher und nachher geteilt.

Oleksandr wohnt in Kiew. Er ist Chirurg, Urologe und Onkologe. Er arbeitet am Nationalen Krebsinstitut als medizinischer Direktor. Außerdem ist er Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Stiftung „Mercy and Health“. Zu dieser Stiftung gehören Rehabilitationszentren, die Veteran:innen und Kriegsopfern Hilfe bieten.

4 Jahre Angriffskrieg auf die Ukraine – Oleksandr

Interview mit Oleksandr

Stellen Sie sich bitte kurz vor.

Guten Tag. Mein Name ist Oleksandr Yatsyna. Ich bin Chirurg, Urologe und Onkologe. Ich habe mein ganzes Leben lang am Nationalen Krebsinstitut gearbeitet, derzeit bin ich dort als medizinischer Direktor tätig. Außerdem bin ich Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Stiftung „Mercy and Health“, zu der Rehabilitationszentren gehören, die Veteranen und Kriegsopfern Hilfe leisten.

Wie hat der Krieg Ihr Leben verändert?

Er hat das Leben vollständig in „vorher“ und „nachher“ geteilt. Wir sind ständig mit Programmen beschäftigt, die unser Land wieder aufbauen wollen und Rehabilitation anbieten. Im medizinischen Bereich unterstützt unsere gemeinnützige Stiftung mehr als 100 Krankenhäuser in der Ostukraine, und wir helfen auch über 100 medizinischen Einrichtungen.


Auch mein Privatleben hat sich komplett verändert, da ich praktisch keine Freizeit mehr habe. Von Montag bis Freitag bin ich an meinem Arbeitsplatz im Institut, helfe den Menschen und rette Patienten. Von Freitag bis Montag arbeiten wir an gemeinnützigen Projekten in der Ostukraine.

Wie hat der Krieg Ihr tägliches Leben verändert?

Der Krieg hat mein Leben dramatisch verändert. Einerseits hat er mir viele Möglichkeiten eröffnet, auch beruflich, andererseits hat er mir viele Herausforderungen beschert. Ich kann inzwischen zwischen den Geräuschen von Shahed-Drohnen und Raketen unterscheiden. Und ich habe mich an diese Explosionen gewöhnt. Aber andererseits verabschiede ich mich jeden Tag mit dem Klang der Luftschutzsirenen von meinem eigenen Leben.

Welche Erinnerungen oder Fragmente des Krieges sind für Sie am schmerzhaftesten?

Am schmerzhaftesten ist der Tod von geliebten Menschen, der Tod unserer Ukrainer, unserer Bürger – insbesondere von Kindern und Tieren. Alles, was der Krieg uns aus unserem Leben nimmt.

Was gibt Ihnen die Hoffnung, weiterzumachen?

Ich glaube, es ist die Hoffnung selbst. Hoffnung auf ein freies und starkes Land, das unser Land ist. Menschen, die an den Wiederaufbau des Landes und an die Einheit unserer Nation glauben und gemeinsam nach einem guten Ergebnis streben.

Was ist derzeit Ihr größter Wunsch?

Dass all dies so schnell wie möglich endet. Dass wir in einem strahlenden und harmonischen Land leben, das zu einem der mächtigsten Staaten der Welt wird, denn wir haben das Potenzial dafür.

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Videos und Interviews: Dmytro Duma, Bohdan Ferens, SD-Plattform