Studie der katholischen Kirche

Der Missbrauchsbericht der Bischofskonferenz legt neue Zahlen offen. Der Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion Lars Castellucci nimmt dazu Stellung.

Castellucci: "Dass die katholische Kirche diese Studie in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass sie sich stellen will. Dass dies, wie auch in anderen Bereichen, etwa des Sports, so spät und aufgrund öffentlichen Drucks geschieht, erschüttert ihre Glaubwürdigkeit bis heute.

Es wäre gut, über die Studie zu sprechen, wenn sie vorliegt und nicht auf der Basis von Medienberichten. Das Thema ist ernst und verlangt eine gründliche und reflektierte Auseinandersetzung. Mit Empörung alleine ist weder den Opfern geholfen noch ersetzt sie ein Konzept, wie diese Vorgänge aufgearbeitet und abgestellt werden können. Das muss aber das Ziel sein: vollständige Aufklärung, eine öffentliche und umfassende Entschuldigung für das verursachte Leid, und glaubhafte Maßnahmen, die Wiederholungen in Zukunft verhindern.

Strenge Maßstäbe an Priesterkandidaten

Es ist bedauerlich, dass aufgrund der Verfehlungen einer kleinen Minderheit das Vertrauen auch in diejenigen beeinträchtigt wird, die Tag für Tag unbescholten und mit großem Einsatz Wunden heilen statt Wunden aufzureißen. Die Gegenmaßnahmen müssen zielgenau sein, denn es darf nicht passieren, dass der Pfarrer nicht mehr mit seinen Ministrantinnen und Ministranten ins Zeltlager fährt, weil er unter einen Generalverdacht gerät.

Für die Zukunft wird insbesondere bedeutsam sein, bei der Eignung der Priesterkandidaten strengste Maßstäbe anzulegen, während gleichzeitig deren Zahl zurückgeht. Priester müssen wie Politiker und andere, denen ein öffentliches Amt obliegt, danach streben, Vorbilder zu sein."