24 Jahre Mauerfall: Viel erreicht - noch viel zu tun!

Frisch ins Amt der Sprecherin der Landesgruppe-Ost der SPD-Bundestagsfraktion gewählt, erklärt Daniela Kolbe zum 24. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer: „Zweifellos ist über die Jahre ein großer Mehrwert entstanden.“ Ihre Stellvertreter sind künftig Waltraud Wolff (Sachsen-Anhalt) und Matthias Schmidt (Berlin). Kolbe folgte auf Iris Gleicke, die die Gruppe seit 2006 geleitet hatte.

Zu dem Mehrwert zähle auch die individuelle Freiheit der Menschen, sagt Kolbe, genauso wie das wachsende demokratische Bewusstsein. Auch seien die Menschen zwischen Ostsee und Voigtland bereit, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Daniela Kolbe ist stolz, ein Teil davon zu sein. Sie steht nun an der Spitze der auf 29 Köpfe angewachsenden Landesgruppe-Ost der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Deutschen Bundestag.

Junge Generation unbefangen - Gefahr von Rechts nicht gebannt

Zu dieser positiven Bilanz bald 25 Jahre nach dem Fall der Mauer zähle auch, dass die „junge Generation in Ost und West mit großer Unbefangenheit aufeinander zugehe, stellt Kolbe fest: „Wir müssen allerdings darauf achten, dass aus dieser Unbefangenheit keine Geschichtslosigkeit erwächst.“ Denn Freiheit und Demokratie seien im Osten erst 24 Jahre jung und stünden noch nicht in voller Blüte. Vor allem mit Blick auf die vorhandene Intoleranz und rechtextreme Umtriebe müsse dies täglich aufs Neue erkämpft werden und bewahrt werden, so Kolbe. Wenn sie das sagt, hat sie vor allem ihre sächsische Heimat im Fokus. Dort hatte die NPD beispielsweise bei der Bundestagswahl im September mit 3,3 Prozent der Stimmen ein besseres Ergebnis erzielt als die FDP.

Ostdeutschland braucht mehr Gewinnerinnen und Gewinner

Als Sprecherin der Landesgruppe-Ost hob die Sozialdemokratin ferner hervor, dass sich „beim Zusammenwachsen von Ost und West ständig neue Herausforderungen auftun“, für die aktuelle Antworten gefunden werden müssten. Den Ost- und Westdeutschen sei in der Vergangenheit einiges zugemutet worden, so Kolbe. Dieser Einheitsprozess müsse so gestaltet werden, dass es mehr und mehr Gewinner auch im Osten gibt, bekräftigte sie.

Lebensleistungen der Menschen anerkennen

„Ich will daran mitarbeiten, dass künftig vor allem das Positive herausgestellt wird“, sagte die Bundestagsabgeordnete zu Beginn ihrer zweiten Wahlperiode. Schließlich gibt es darüber inzwischen vieles zu berichten: „Wenn wir dies nicht tun, würden wir erneut die Lebensleistungen der Menschen hier entwerten“, das steht für Kolbe fest. Aber es dürfe auch nichts schöngeredet werden, weshalb „wir uns auch nicht damit abfinden können, dass eine Vielzahl von Menschen als Verliererinnen und Verlierer im Prozess der Einheit betrachtet wird." Das gelte nach wie vor, sagte Daniela Kolbe zum Schluss.

Anja Linnekugel