Frauen haben ein Recht auf mehr!

Frauen erhalten im Durchschnitt immer noch 21 Prozent weniger Lohn oder Gehalt als Männer. Darauf macht zum 8. Mal in Folge der „Equal Pay Day“ in Deutschland aufmerksam. Die SPD-Abgeordneten nutzten eine Kundgebung, um gemeinsam mit Gewerkschaften, Sozialverbänden und politischen Mitstreiterinnen und Mitstreitern in Berlin gegen geschlechterbedingte Lohndiskriminierung zu demonstrieren – und die zügige Umsetzung eines Gesetzes für mehr Lohngerechtigkeit einzufordern.

Der internationale Equal Pay Day markiert in jedem Jahr den Tag, an dem Frauen den gleichen Lohn erwirtschaftet haben wie Männer zum 31. Dezember des Vorjahres – und das für gleiche oder gleichwertige Arbeit! In Deutschland fällt der Tag in diesem Jahr auf den 19. März 2016. Einen Tag zuvor beteiligte sich die SPD-Bundestagsfraktion an einer "Equal Pay Day"-Kundgebung in Berlin, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Deutsche Frauenrat und der Sozialverband Deutschland (SoVD) aufgerufen hatten. Gemeinsam mit Gleichgesinnten zeigten die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auf dem Pariser Platz, wie wichtig ihnen das im Koalitionsvertrag verankerte Vorhaben der gleichen Entlohnung von Frauen und Männern ist.

Entgeltgleichheit ist Frage der Gerechtigkeit

Rechnerisch müssen Frauen in Deutschland noch immer zweieinhalb Monate mehr arbeiten, um auf das durchschnittliche Jahresentgelt von Männern zu kommen. Die vielfältigen Ursachen für diesen Lohnunterschied seien bekannt, betonte Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, in ihrer Rede vor dem Brandenburger Tor. Frauen arbeiten häufiger im Niedriglohnsektor, eher in kleinen Betrieben ohne Tarifbindung und seltener in Führungspositionen. Sie tragen den größten Teil der Familienarbeit, sind oft Teilzeit erwerbstätig mit allen Konsequenzen für Rente und Aufstiegschancen, und ihre Arbeit erfährt häufig nicht die verdiente Wertschätzung. „Doch erklärbar heißt nicht gerechtfertigt“, so Ferner. Die gleiche und gleichwertige Bezahlung von Frauen und Männer sei schließlich eine Frage der Gerechtigkeit – und „eine gesellschaftliche Gesamtaufgabe“.

Ferner weiß: Es gibt nicht das eine Gesetz, das die Lohnlücke auf einen Schlag schließt. Doch neben den bereits beschlossenen Maßnahmen – vor allem die Einführung des Mindestlohns und für die bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege – brauche Deutschland ein Gesetz, das dem Grundsatz von „Gleichem Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ zu mehr Wirksamkeit verhilft.

 

Equal-Pay-Day 2016

Lohntransparenz ist Stellschraube

Die SPD-Bundestagsfraktion unterstützt Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig in daher bei ihrem Vorhaben für ein Lohngerechtigkeitsgesetz, mit dem wichtige Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden. Dabei ist Transparenz die Stellschraube. Denn nur wer weiß, wie viel andere verdienen, kann nachvollziehen, ob sie oder er in Sachen Entgelt diskriminiert wird – und gegen Lohnungerechtigkeit vorgehen. Konkret soll folgendes geregelt werden:

  • Beschäftigte in Firmen ab 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und im öffentlichen Dienst sollen künftig vom Arbeitgeber Auskunft verlangen können, ob für gleiche oder gleichwertige Arbeit auch gleich bezahlt wird.
  • Ist das nicht der Fall, sind die Benachteiligungen „unverzüglich“ zu beseitigen.
  • Darüber hinaus sollen Firmen dokumentieren, ob ihre Bezahlpraxis gerecht ist.

Die SPD-Abgeordneten sind überzeugt: Auf dieser Grundlage können die Tarifpartner Lohngerechtigkeit schaffen, und Frauen (und Männer) einfacher nachhaken und gegebenenfalls mehr Lohn für sich fordern.

Auch SPD-Generalsekretärin Katarina Barley warb auf dem Podium für das Gesetz. Freiwillig würden die Männer nicht für Gerechtigkeit sorgen, sagte sie.

Neubewertung von „Frauenberufen“ ist erforderlich

Wie viel ist uns die Arbeit von Erzieherinnen, Krankenschwestern oder Altenpflegerinnen wert? Neben einem ungezwungeneren Reden über Geld und mehr Lohntransparenz in Betrieben forderte die SPD-Politikerin eine ernsthafte Debatte über die Bewertung von sozialen Berufen – die häufig von Frauen ausgeübt werden.

Im Koalitionsvertrag ist die Aufwertung der Arbeit in der Pflege, Betreuung und frühkindlichen Bildung bereits verankert. Ebenso geplant ist ein Rückkehrrecht in die vorherige Arbeitszeit – eine wichtige Maßnahme vor allem für Frauen, um aus der sog. Teilzeitfalle herauszukommen.

Klar ist: Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern wird sich in absehbarer Zeit nicht von selbst schließen. Doch der Equal Pay Day 2016 zeigt: Die SPD-Bundestagsfraktion und "ihre" Ministerinnen haben für ihre Gleichstellungspolitik ein breites Bündnis hinter sich.

 

Jasmin Hihat