Kerstin Griese, designierte Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften

Die heute vorgestellte gemeinsame Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland ist ein wichtiger gemeinsamer Schritt, aber es fehlen deutlichere Worte für eine gerechte Wirtschaftsordnung.

„Wir begrüßen, dass es nach dem viel beachteten Wort der Kirchen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von 1997 noch einmal einen gemeinsamen Aufruf der evangelischen und katholischen Kirche gibt. Die Kirchen sind für uns ein wichtiger Partner in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Die Sozialinitiative der beiden Kirchen ist ein bedeutendes gemeinsames Zeichen, aber nur ein halber Schritt nach vorn. Sie bleibt hinter der deutlichen Kritik an gesellschaftlichen Unrechtssituationen aus dem Sozialwort vor 17 Jahren zurück. Unter der Überschrift "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" fordern die Kirchen ethische Maßstäbe statt reiner Gewinnmaximierung. Die Kirchen betonen die Verantwortung von Christinnen und Christen für eine gerechte Wirtschaftsordnung und erwarten Konsequenzen aus der Finanzkrise. Darin sind wir uns mit den Kirchen einig.

Der wachsende Einfluss von Wirtschaft und Finanzinstituten auf Politik und Gesellschaft verlangt nach Antworten. Die beiden Kirchen haben sich selbst den Auftrag gegeben, Stimme derer zu sein, deren Anliegen sonst nicht wahrgenommen wird. Es ist gut, dass sie immer wieder auf Missstände aufmerksam machen.

Die Forderungen der Kirchen nach einer nachhaltigen Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft, nach Inklusion und Partizipation, nach einer breiten Beteiligung an Erwerbsarbeit und nach einem gesetzlichen Mindestlohn teilen wir. Wir wünschen dieser Sozialinitiative eine breite Beachtung und freuen uns auf die weiteren Diskussionen mit den Kirchen, um unser Land sozial gerechter zu gestalten.“