Hilde Mattheis, Gesundheitspolitische Sprecherin;
Helga Kühn-Mengel, Beauftragte für die Belange von Patienten und Pflegebedürftige:

Mit der heutigen Debatte zum Thema ‚Sterbehilfe‘ wird ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema aufgegriffen - eines, das die Menschen bewegt: Was bedeuten Selbstbestimmung, Würde und Wertschätzung auf der letzten Wegstrecke des Lebens?

„Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung, aber auch aus grundsätzlichen menschlichen Überlegungen heraus, müssen wir uns fragen: Wie sehen unsere Hilfen für die Schwächsten, die Kranken und die Sterbenden aus?

Tatsächlich nimmt die Zahl der Selbsttötungen bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind, deutlich zu. Häufig ist es die Angst vor Schmerzen, vor dem Alleinsein, die Angst, Selbstbestimmung und Würde zu verlieren oder anderen zur Last zu fallen, die Menschen an Selbsttötung und Sterbehilfe denken lassen. Diesen Ängsten müssen wir uns stellen: mit Wertschätzung in der Pflege, mit Begleitung der Schwerstkranken und ihrer Angehörigen, mit einer hochwertigen medizinischen und palliativen Versorgung. Eine gut ausgebaute palliative und hospizliche Infrastruktur, mit der Besonderheit von haupt- und ehrenamtlichen Kräften, vermag viel zu leisten. Häufig, so die Palliativmediziner, werde der Wunsch nach Sterbehilfe hinfällig.

Dennoch muss das Thema ‚Sterbehilfe breit diskutiert werden. Gleichzeitig müssen wir alles daran setzen, Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen über die Möglichkeiten der Palliativmedizin zu informieren. Und wir müssen die Palliativmedizin und die Hospizarbeit weiter flächendeckend ausbauen. Nur ein Fünftel aller Patientinnen und Patienten hat heute Zugang zu palliativmedizinischen Maßnahmen. Das ist viel zu wenig, da ist großer Handlungsbedarf.“