Michaela Engelmeier, sportpolitische Sprecherin:

Aufgrund der lückenhaften Akten- und Informationslage kann ein Stimmenkauf vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Erkenntnissen der Kanzlei Freshfields nicht ausgeschlossen werden. Damit liefert der DFB weiterhin keine lückenlose Aufklärung.

„Der DFB versprach eine Aufklärung der Handlungen seiner Akteure im Vorfeld der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Doch leider kann die Kanzlei Freshfields nach mehr als vier Monaten Untersuchungen in ihren 361 Seiten umfassenden Bericht keinen endgültig Beweis zur Bestechung vorweisen – schließt aber einen Stimmenkauf ausdrücklich nicht aus.

Besonders „Der Kaiser“ Franz Beckenbauer bleibt wichtige Antworten schuldig. Fest steht nun, dass er 2002 gemeinsam mit seinem ehemaligen Berater Robert Schwan ein Konto mit sechs Millionen CHF einrichtete. Diese Summe floss zum Unternehmer Mohamad Bin Hammam, der den Wahlkampf des damaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter finanzierte.

Die ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro für eine FIFA-Gala durch den DFB, die laut Ermittlungen niemals stattfinden sollte, bleibt ungeklärt. Die Rückzahlung wurde im Jahr 2005 bewusst falsch deklariert, da sie für Robert Louis-Dreyfus bestimmt war. Die FIFA fungierte lediglich als Mittelsmann, was den Sumpf an Verstrickungen abermals offenbart.

Auch wenn der heutige Bericht etwas Licht ins Dunkel bringt, so bleiben doch viele Fragen offen. Besonders ärgerlich ist, dass der damalige Präsident des Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, Sepp Blatter bei seinem Wahlkampf finanziell unterstützte, obwohl schon damals schwere Anschuldigungen gegen den FIFA-Präsidenten im Raum standen.“