Interview mit Martin Burkert in der Passauer Neuen Presse

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages nimmt Stellung zu den jüngsten Entwicklungen in der Affäre um die Auto-Konzerne. Er fordert vor allem Aufklärung durch Verkehrsminister Dobrindt (CSU).

Großbritannien will ähnlich wie Frankreich ab 2040 nur noch Elektroautos auf den Straßen zulassen. Ist das Verbot von Dieseln und Benzinern auch ein Vorbild für Deutschland?

Auch in Deutschland muss das Ziel der mittelfristige Abschied vom Verbrennungsmotor sein. Aber der Umstieg in Elektromobilität ist ins Stocken geraten. Das Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, wird klar verfehlt und nicht einmal annähernd erreicht.

Jetzt beschuldigen sich die Autokonzerne auch noch gegenseitig. Droht nun eine offene Schlammschlacht?

Der Verdacht, dass die großen deutschen Autokonzerne über Jahrzehnte ein Kartell gebildet haben, wiegt schwer. Das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine Schlammschlacht der Konzerne. Leider gibt es ja bereits die ersten gegenseitigen Schuldzuweisungen. Wo ist eigentlich der Bundesverkehrsminister? Herr Dobrindt muss hier deutlich Stellung beziehen und Aufklärung einfordern. Davon ist nichts zu sehen. Die Bundeskanzlerin muss das jetzt zur Chefsache machen.

Geraten durch die Krise jetzt Arbeitsplätze in Gefahr?

Schon der Diesel-Skandal schadet der deutschen Automobilbranche und gefährdet viele Arbeitsplätze. Ein mittelfristiger Ausstieg aus der Dieseltechnologie würde bedeuten, dass rund 1,5 Millionen Arbeitnehmer betroffen wären und neu qualifiziert werden müssten. Das ist eine Riesenaufgabe, vor der Arbeitgeber und Gewerkschafter stehen. Der Diesel-Skandal trifft natürlich auch vor allem die Kunden. Aber auch der Wirtschaftsstandort Deutschland leidet hier. Das Gütesiegel „Made in Germany“ droht mehr als ein paar Kratzer abzubekommen.