SPD und Grüne benennen Joachim Gauck als Bundespräsidentenkandidat
Opposition tritt mit parteilosem Demokraten gegen Wulff an
Stand: 03.06.2010
Auch wenn Joachim Gauck beim Abschied aus dem Amt des Leiters der Stasiunterlagenbehörde eine Kandaditur als Bundespräsident ausgeschlossen hatte, tritt er nun als gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen an. Der frühere DDR-Bürgerrechtler steht parteiloser Demokrat dem von Schwarz-Gelb benannten niedersächsischen Ministerpräsidenten und stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Christian Wulff gegenüber.
Gauck selbst bezeichnet sich als „linker, liberaler Konservativer“. Vielfach hat er bewiesen, dass er grundsätzliche Debatten prägen und unserer Gesellschaft Orientierung geben kann. Dazu wird Joachim Gauck auch die Zeit bis zum 30. Juni nutzen und wichtige Debatten auf die Agenda zu setzen
Joachim Gaucks Kandidatur ist keine Kandidatur gegen irgendjemanden, sondern eine Kandidatur für eine bestimmte Vorstellung vom Amt des Bundespräsidenten. Als Bürgerrechtler hat er immer wieder deutlich gemacht, dass es neben den Parteivertretern engagierte Menschen in unserem Land gibt, die unsere Demokratie mit Leben füllen. Aus ihrer Mitte tritt er seine Kandidatur an.
Gauck steht damit für ein Verständnis des Amtes des Bundespräsidenten, das nicht parteitaktische Machtkämpfe in den Mittelpunkt stellt, sondern die gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Demokratie in unserem Land.
Joachim Gauck bringt ein Leben mit, wo andere Kandidaten in erster Linie auf eine politische Laufbahn verweisen müssen. Joachim Gauck ist eine überzeugende Antwort auf eine parteiliche, machtpolitische Entscheidung von Schwarz-Gelb. Wir werden in den kommenden Wochen für unseren Kandidaten, sein Amtsverständnis und für eine Mehrheit für Joachim Gauck werben.
Aus dem Leben von Joachim Gauck
Joachim Gauck wurde 1940 als Sohn eines Kapitäns in Rostock geboren. Eigentlich wollte er in der DDR Journalist werden. Der Studienplatz für Germanistik wurde ihm jedoch versagt. Denn er hatte sich sowohl der Pionierorganisation als auch der FDJ verweigert. So studierte er nach dem Abitur evangelische Theologie.
Später begann sich die Staatsicherheit für den Kichenmann aus Mecklenburg-Vorpommern zu interessieren, weil er für seine kritische Haltung in Umwelt- und Menschenrechtsfragen einstand.
Im Wendejahr 1989 arbeitete Gauck im Neuen Forum mit. Dort lag ihm die Aufdeckung des DDR-Überwachungsapparates besonders am Herzen.
In der am 18. März 1990 frei gewählten DDR-Volkskammer saß er dem Sonderausschuss zur Auflösung der Stasi vor. Am Tag vor dem Vollzug der deutschen Einheit wählte die Volkskammer Gauck zum "Sonderbeauftragten" für die Stasi-Unterlagen. Tagsdrauf bestätigte ihn die Bundesregierung in diesem Amt für ganz Deutschland. Ein gutes Jahr später wurde das Stasi-Unterlagengesetz in Kraft gesetzt und Gauck wurde Bundesbeauftragten. 2000 endete seine Amtzeit. Joachim Gauck ist Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie.