Der WBGU-Budgetansatz
Obergrenze für die Menge an Kohlendioxid bis 2050 festgelegt
Stand: 16.12.2009
Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat einen neuartigen Ansatz zur Bewältigung des Klimaproblems erarbeitet. Zentraler Bestandteil dabei ist die Einigung der globalen Staatengemeinschaft auf eine Obergrenze für die Menge an Kohlendioxid, die insgesamt noch bis 2050 emittiert werden darf (Globalbudget), ohne dass es zu einem gefährlichen Klima¬wandel auf der Erde kommt. Daraus werden den einzelnen Staaten je nach Bevölkerungsstärke und dem bereits in der Vergangenheit erfolgten CO2-Ausstoß bestimmte Emissionsmengen auf ein „Kohlendioxid-Konto“ zugeteilt. Dahinter steckt das Prinzip, dass jedem Menschen gleiche Emissionsrechte zustehen sollten.
Der WBGU hat bereits 1995 den Vorschlag gemacht, eine Obergrenze für eine noch akzeptable Erhöhung der globalen Mitteltemperatur zu benennen, die sog. „2°C-Leitplanke“, und davon ausgehend in einer Rückrechnung die notwendigen Emissionsreduktionen ermittelt. Der Budgetansatz entwickelt diesen Ansatz weiter und macht ihn umsetzbar für Klimaschutzmaßnahmen.
Mit ihrem Budget müssten die Staaten haushalten und Strategien entwickeln, wie sie klimaverträglich wirtschaften können, um mit dem Budget bis 2050 hinzukommen.
Für die Industrieländer heißt das, dass sie wegen ihrer hohen Emissionen bereits so viel „abgebucht“ haben, dass ihr Budget bald überzogen sein wird und nur durch konsequenten Klimaschutz im eigenen Land gehalten kann und durch Transfer-leistungen an die Entwicklungsländer wieder aufgefüllt werden muss.
Soll die Zwei-Grad-Marke mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent eingehalten werden, dürfen die gesamten CO2-Emissionen im Zeitraum 2000 – 2049 insgesamt 890 Gigatonnen (Gt) CO2 nicht überschreiten (67% Wahrscheinlichkeit: 750 Gt). Davon wurden von 2000 bis 2006 bereits ca. 234 Gt CO2 emittiert, es bleibt somit eine Restmenge von 656 Gt. Ausgehend von einer derzeitigen weltweiten jährlichen Emissionsmenge von 36,3 Gt CO2 wäre dieses Budget bei unverändertem Emissionsverhalten der Völker bereits 2024 aufgebraucht.
Das WBGU-Sondergutachten: Kassensturz für den Weltklimavertrag
– Der Budgetansatz sowie thematisch zugehörige Factsheets Nr. 2/2009 und 3/2009 stehen
hier zum Download bereit.
Unser Kommentar:
Noch klarer ist nicht darstellbar, dass die Emissionen insbesondere in den Industrieländern schnell und drastisch sinken müssen. Der Ansatz ist einfach und gerecht. Die Entwicklungsländer wären nicht länger diejenigen, die ausschließlich die Lasten der Klimaerwärmung tragen müssten, obwohl sie nichts oder sehr wenig dazu beigetragen haben. Das Geschäft soll über eine „Weltklimabank“ abgewickelt werden, wie es auch der saarländische SPD-Chef Heiko Maas vorgeschlagen hat: „Der globale Handel könnte den ärmsten Ländern 100 Milliarden Euro pro Jahr ermöglichen, die vor Ort für Bildung und Umweltschutz eingesetzt werden könnten.“