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Fachkonferenz zur "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung 

SPD-Bundestagsfraktion diskutiert mit Fachleuten

Stand: 22.10.2008

Laut Umfragen lehnen ca. 80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher sowohl gentechnisch veränderte Lebensmittel als auch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ab. Die Möglichkeit, beim Einkauf weitgehend auf Gentechnik zu verzichten, blieb ihnen aber bisher verwehrt: Da z. B. Milch, Eier und Fleisch nicht gekennzeichnet werden müssen, wenn sie von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futterpflanzen ernährt werden.

Es landen 80 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen im Futtertrog – ohne dass Verbraucherinnen und Verbraucher dies erfahren. Außer bei Bioprodukten (die grundsätzlich gentechnikfrei erzeugt werden) hatten sie bisher nicht die Freiheit, zu wählen.

Wir wollen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Einkaufskorb abstimmen können. Mit der neuen „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnungsregelung haben wir die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sie die Produkte nachfragen können, die sie haben wollen.

‚„Ohne Gentechnik“ ist machbar. Einige Anbieter sind bereits mit „Ohne Gentechnik“-Erzeugnissen auf dem Markt, bei anderen steht der Einstieg unmittelbar bevor, so das Fazit der Fachöffentlichen Konferenz der SPD-Fraktion am 19. September 2008 in Berlin. Dass die neue „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung bei Verbrauchern, Erzeugern und Anbietern auf großes Interesse stößt, ließ sich an der großen Besucherzahl ablesen.

Das Podium war besetzt mit Fachleuten aus der gesamten Produktionskette vom Futtermittel über die Erzeugung bis zum Handel und schließlich dem Endabnehmer: dem Verbraucher. Sie berichteten über ihre Erfahrungen mit der Anwendung der „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung. Einhellig wurde die auf Betreiben der SPD durchgesetzte Kennzeichnungsregelung als rechtlich praktikabel geschildert und sowohl als neu gewonnene Wahlfreiheit für die Verbraucher als auch als Möglichkeit für die Anbieter, ihre Produkte auszuloben begrüßt.

Mehrfach bestätigt wurde auch, dass ein mehr als ausreichendes Angebot von Futtermitteln ohne GVO auf dem Weltmarkt zur Verfügung stünde. Es wurde deutlich, dass der Verzicht auf Gentechnik den Erwartungen der Verbraucher entspricht, neue Chancen für Erzeugung und Handel bietet und auch der Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung dient: Auch die Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen und der Erhalt der Umwelt und der Artenvielfalt als Gegenpol zu einer monokulturellen Erzeugung sind Motivation für die Anbieter, in die „Ohne Gentechnik“-Erzeugung und -Kennzeichnung einzusteigen. Allerdings wurde eine bessere Information sowohl der Verbraucher als auch der Anbieter über die Kennzeichnungsregelung gefordert. Die SPD setzt sich deshalb im Rahmen der Haushaltsberatungen für die Bereitstellung von Mitteln für Informationsmaßnahmen ein.

Podiumsteilnehmer:

Dr. Stefan Etgeton vom Verbraucherzentrale Bundesverband vzbv

Jochen Koester von der Beratungsfirma TraceConsult Genf

Rudolf Bühler, Ökolandwirt, Gründer und Vorsitzender der BESH (Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall)

Bernhard Stoll, Geschäftsführer der Raiffeisen Kraftfutterwerke in Kehl

Klaus Freidler, Geschäftsführer und Inhaber der Alb-Gold Teigwaren

Andreas Swoboda, Geschäftsleiter für den Bereich Qualität und Umwelt beim Lebensmittelunternehmen tegut

Frau Dr. Manuela Schulze vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit LAVES

Dr. Stefan Etgeton vom Verbraucherzentrale Bundesverband vzbv stellte zum Auftakt die Erwartungen der Verbraucher an den Markt dar. Die große Mehrheit der Verbraucher lehne gentechnisch veränderte Lebensmittel und den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ab. Der Markt bilde dies bisher nicht ab, denn gerade bei tierischen Erzeugnissen wie Milch, Eiern und Fleisch hätten Konsumenten nicht die Möglichkeit, durch entsprechendes Kaufverhalten auf das Angebot einzuwirken.

Mit der neuen „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung könnten Verbraucher endlich bewusst solche Produkte auswählen, die von Tieren stammten, die keine genveränderten Pflanzen bekommen hätten. Damit könne nun die Nachfrage der Verbraucher nach gentechnikfrei erzeugten Lebensmitteln an die Erzeuger und den Handel weitergegeben werden.

Auch für die Anbieter sei dies ein Anreiz zur Erzeugung und Nutzung gentechnikfreier Futtermittel bzw. zur Umstellung der Futtermittelressourcen (z.B. Ersatz von Soja).

Als nächste Schritte forderte der VZBV
  • ein einheitliches Label und rechtsklare Kriterien,
  • die Sicherstellung eines einheitlichen Vollzugs der Kennzeichnungsregelung und
  • die Umsetzung der Kennzeichnungsregelung durch Wirtschaft / Handel.
     

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Jochen Koester von der Beratungsfirma TraceConsult in Genf (spezialisiert auf die Zertifizierung von Non-GMO in Brasilien und Indien), berichtete über die Situation am internationalen Futtermittelmarkt. Er trat entschieden den Behauptungen entgegen, dass die Versorgung mit GVO-freien Futtermitteln nicht ausreichend gesichert werden könne:

Von der gesamten Sojabohnen-Ernte in Brasilien von 61,3 Millionen Tonnen seien 45 Prozent bzw. 27 bis 30 Millionen Tonnen gentechnikfrei. Hinzu kämen 10 Millionen Tonnen aus Indien, die zu 100 Prozent  gentechnikfrei seien. 75 Prozent  der Sojabohnen werden zu Sojaschrot verarbeitet.

Für die Ernte 2009 würden in Brasilien 63 bis 65 Millionen Tonnen Sojabohnen erwartet. Diese würden zu ca. 40 Prozent GVO-frei sein. Das ergäbe ca. 19 Millionen Tonnen Sojaschrot. Zusammen mit den 8,5 Millionen Tonnen Sojaschrot aus den 10 Millionen Tonnen Sojabohnen aus Indien ergäbe dies GVO-freies Sojaschrot von ca. 27,5 Millionen Tonnen. Der Gesamtverbrauch der EU an Sojaschrot betrage ca. 36 Millionen Tonnen Sojaschrot. Da nicht die gesamte EU von heute auf morgen auf GVO-freies Sojaschrot umstellen werde, werde die Nachfrage einen Bruchteil davon betragen. Das hieße, dass das Angebot an GVO-freiem Sojaschrot sehr wohl noch lange ausreiche.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Erntereinheit gewahrt bleibe durch eine sofortige Übernahme in IP-Systeme (Identity Preserve), d.h. Herkunftssicherungssysteme, damit die Ernte nicht durch Vermischung und Einträge verunreinigt werde. Auch müsse langfristig geordert werden, denn in der Tat sei es in diesem Jahr zum Start der neuen Kennzeichnungsregelung zu Engpässen gekommen, weil die Ernte bereits verplant gewesen sei. Zudem könne der Handel über langfristige Lieferverträge Einfluss auf das Angebot nehmen.

Bei einigen Anbietern z. B. aus dem Geflügelbereich bestünde Unsicherheit bzgl. der Anwendung der Kennzeichnungsregelungen. Die Besorgnis über das Risiko einer Falschauslobung sei unbegründet, denn die richtige Anwendung der Regelung heiße bei tierischen Produkten, dass im Futtermittel maximal 0,9 Prozent GVO enthalten sein dürften, aber nur, wenn diese zufällig und technisch unvermeidbar waren. Zufällig und technisch unvermeidbar seien aber solche Verunreinigungen nicht, wenn sie bereits in der Ernte waren. Deshalb müsse die die Produktion der Rohware auf GVO-Freiheit angelegt sein und diese Reinheit nachweisbar durch saubere IP-Systeme gesichert sein.

Jochen Koesters Fazit: „Ohne Gentechnik“ ist machbar. Die Besorgnisse seien unbegründet. Die Verfügbarkeit von gentechnikfreier Rohware sei gegeben. Sie sei beeinflussbar durch die, die an der Schnittstelle zum Verbraucher seien: die Einzelhändler und die Markeninhaber, und sie nehme momentan sogar zu. Das Kontaminationsrisiko sei bis zu 0,9 Prozent  kein Hindernis für die Auslobung, denn wenn nachweislich am Anfang der Kette für die Reinheit der Ernte gesorgt werde, seien minimale Verunreinigungen bis zu 0,9 Prozent im weiteren Verlauf der Kette als zufällig und technisch unvermeidbar zu betrachten und damit für die Auslobung unschädlich. Er appellierte an die Anbieter, vermehrt in die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung einzusteigen, denn „die Verbraucher warten darauf“.

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Rudolf Bühler, Ökolandwirt, Gründer und Vorsitzender der BESH (Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall) berichtete aus der Praxis der Landwirte. Die in der BESH zusammengeschlossenen 985 Bauern erzeugten bereits seit ca. 20 Jahren Qualitätsfleisch, gentechnikfrei  und zertifiziert – mit einem Jahresumsatz von 85 Millionen Euro. Unter anderem werde damit die Premiummarke „Du darfst“ von Unilever exklusiv beliefert. Allerdings werde von Unilever bisher „Ohne Gentechnik“ nicht ausgelobt – obwohl die Zulieferer vertraglich verpflichtet seien auf Gentechnik zu verzichten und die Bedingungen für eine Auslobung erfüllt seien. Das gelte nicht nur für „Du darfst“ sondern z.B. auch für „Becel“. Zur besseren Erkennbarkeit und Vermarktung sei ein einheitliches Label wünschenswert.

Bühler forderte von der Politik: Bauern bräuchten freien Zugang zum Saatgut und dürften nicht gezwungen werden, Lizenzgebühren an die großen Konzerne zu zahlen. Die Agrogentechnik werde abgelehnt. Die Landwirte wollten vor allem gesunde Lebensmittel produzieren. Bühler: „Wir Bauern tun gut daran, das zu produzieren, was die Verbraucherschaft möchte.“

So habe die BESH schon immer auf Antibiotika in Futtermitteln verzichtet. Dies habe damals die Trennung der Futtermittel erfordert, denn Antibiotika wären bereits eingemischt worden, und auch an den Universitäten sei damals die Lehre vertreten worden, dass in jedes kg Futter 30 mg Antibiotika gehörten. Die Erfahrungen mit der Trennung der Standardfuttermittel von antibiotikafreien Futtermitteln könnten auf die gentechnikfreien Futtermittel übertragen werden.

Er forderte aber ein, dass das Verursacherprinzip gelten müsse: Diejenigen, die gentechnisch veränderte Futtermittel in den Markt brächten, müssten die Verantwortung für die Trennung tragen und nicht die, die gentechnikfrei produzierten. „Im Moment müssen wir Bauern das finanzieren, was Monsanto und Co. in die Welt setzen“.

Er betonte die Bedeutung von Schwellenwerten, mit denen die gentechnikfreie Erzeugung arbeiten könne. Ausgerechnet die Lobbyisten der Agrogentechnik seien es, die fordern würden, dass die gentechnikfreie Wirtschaft die Pflicht habe die Gentechnikfreiheit bis zu 0,00% nachzuweisen, obwohl ja gerade die Agrogentechnikbranche verursacht habe, dass – ähnlich wie bei Pestiziden – Grenzwerte überhaupt notwendig geworden seien. Ziel müsse es sein, wieder ein GVO-freies Europa zu bekommen. „Gute Erzeugnisse schaffen Vertrauen.“

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Bernhard Stoll, Geschäftsführer der Raiffeisen Kraftfutterwerke in Kehl (mit 2700 Bauern die größte Primärgenossenschaft): In Kehl werde zum einen Körnermais für den Lebensmittelbedarf erfasst und vermarktet, zum anderen Futtermittel produziert. Das RKW Kehl sei 1997 erstmals mit dem Thema Gentechnik konfrontiert worden, als die Firma Nestlé nach garantiert gentechnikfreiem Körnermais fragte. Seither biete RKW gentechnikfreie Ware an, d.h. Ware unterhalb der Nachweisgrenze von 0,1 Prozent . Alles werde geprüft, es gebe eine Wareneingangskontrolle bei der Anlieferung, und der gesamte Prozess im Betrieb von der Trocknung über die Lagerung, vom Lagerungsort bis hin zur Lieferung an die Industrie werde dokumentiert: Lückenloses Monitoring von der Erzeugung bis zum Verbrauch.

Für Stoll ist die Diskussion um die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung bei tierischen Produkten überhaupt nicht nachvollziehbar, da der Einsatz der Gentechnik bei pflanzlichen Produkten längst kennzeichnungspflichtig sei. Deshalb scheue sich jedes Unternehmen „wie der Teufel vor dem Weihwasser“ vor Verunreinigungen, und jeder in diesem Bereich Tätige – sei es die Stärkeindustrie, die Mehlmüllerei oder die Fettindustrie -  fordere Nachweise bzw. Garantien für die GVO-Freiheit der Zulieferung.

Das RKW Kehl sehe sich als sowohl im Bereich pflanzliche Lebensmittel tätiges als auch als Futtermittel produzierendes Unternehmen zu einer klaren Linie angehalten: Alle Produkte seien gentechnikfrei. Soja werde mit dem höchsten Standard, dem sog. „hard IP“ bezogen, d.h. die gelieferte Ware sei zuverlässig auf GVO-Freiheit geprüft und unterhalb der Nachweisgrenze von 0,1 Prozent. Der Lieferant habe eine Verarbeitungskapazität von ca. 2,5 Millionen Tonnen Soja, was ungefähr für die Hälfte der deutschlandweiten Erzeugung ausreichen würde (Gesamtbedarf ca. 5,2 Millionen Tonnen). Der Zulieferer erzeuge nicht nur gentechnikfreie Sojabohnen, sondern auch Sojaöl für den Lebensmittelbedarf. Dieses werde nur in GVO-freier Qualität abgenommen.

Bernhard Stoll unterstützte die Einschätzung von Jochen Koester, dass die GVO-freien Lieferungen auch in Zukunft gesichert seien, denn auch in Brasilien richte man sich nach marktwirtschaftlichen Belangen. Die Forderung nach einer konsequenten Rückverfolgbarkeit könne nicht als Problem gesehen werden, da sowohl für die Tiere selbst als auch für das Futter die Rückverfolgbarkeit ohnehin bereits Pflicht sei.

Stoll erklärte, dass die Aktivitäten seines regionalen Unternehmens im Bereich Gentechnikfreiheit zunächst belächelt worden seien, aber seit Oktober letzten gebe es Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet. Ebenso wie Rudolf Bühler könne auch er für seine Landwirte sagen, dass sie keine Gentechnik wollten. Sie wollten gentechnikfrei produzieren, die Artenvielfalt erhalten und die Züchtungsarbeit von Jahrhunderten unterstützen und nutzen können, an der schließlich sehr viele Arbeitsplätze hingen.

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Klaus Freidler, Geschäftsführer und Inhaber der Alb-Gold Teigwaren in Trochtelfingen, erläuterte, dass zur Philosophie seines Unternehmens der enge Kontakt mit den Verbrauchern gehöre und die Verwendung der bestmöglichsten Rohstoffe. Bereits seit 1977 gebe es bei Alb-Gold die gläserne Produktion, der Kunde habe Zutritt, und 2002 sei das Alb-Gold-Nudelzentrum eingerichtet worden, mit Kochstudio und Kräutergarten und inzwischen 350.000 Besuchern.

Freidler betonte, dass Qualität bei der Reinheit der Rohstoffe anfange. Das Unternehmen habe die Gentechnik schon immer abgelehnt. Vielmehr sehe man sich in der Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen: Auch sie sollten noch auf solche Nahrungsmittel, solche eine Vielfalt und Qualität zurückgreifen können, wie sie heute vorhanden sei. Dafür brauche man die alten, klassischen Rohstoffe. So arbeite Alb-Gold z.B. gemeinsam mit Landwirten an der Züchtung alter Weizensorten.

Er hob hervor, dass es eine Verpflichtung sei, sich an den Erwartungen der Verbraucher zu orientieren:

Jeder Verbraucher, auch der, der ins Billigregal greife, erwarte zumindest ein sauberes, glaubhaftes Produkt. Verbraucher erwarteten auch ein innovatives Sortiment. Dies lasse sich heute mit sauberen Rohstoffen und modernen Anlagen bereitstellen. Verbraucher erwarteten ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Und vor allem erwarteten sie eine klare Kennzeichnung: Wo wurde hergestellt und was ist drin? Deshalb sei er dankbar, dass seit Mai nun endlich die Gentechnikfreiheit seiner Produkte auch ausgelobt werden könne.

Die Verwendung der bestmöglichen Rohstoffe und die Auslobung seien Erfolgsfaktoren, mit denen sein Unternehmen bereits positive Erfahrungen mache. Freidler: „Der Verbraucher liebt uns, der Wettbewerber hasst uns und der Handel traut sich nicht.“ Der Handel werde aber an den Erwartungen der Verbraucher nicht vorbei können. Mit dem Verzicht auf Gentechnik übernehme man Verantwortung für die nachfolgenden Generationen, für die Umwelt, den Arten- und Tierschutz, und man erfülle die Verbrauchererwartungen.

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Andreas Swoboda, Geschäftsleiter für den Bereich Qualität und Umwelt beim Lebensmittelunternehmen tegut, eröffnete mit dem Satz: „Menschen brauchen gute Lebensmittel und einen Händler, dem sie vertrauen.“ Nicht die Systeme oder Gesetze selbst seien es, denen der Verbraucher vertraue, sondern derjenige, der sie anwende. Die Regelung müsse also so sinnvoll wie möglich angewendet werden.

Lebensmittel als „Mittel zum leben“ müssten sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Dabei gehe es nicht nur um Inhalt und Zusammensetzung und Wirkung sondern auch um die Frage: Wie ist das Lebensmittel erzeugt worden? tegut lehne die Agrogentechnik ab. Eine Befragung der tegut-Kunden habe ergeben, dass 96 Prozent  von ihnen die Gentechnik ablehnen. 

Für tegut stellten sich folgende Fragen:

Wie können wir auch in Zukunft traditionell erzeugte Lebensmittel ohne Gentechnik anbieten? Wie könnten wir die Qualität unserer Produkte kommunizieren bzw. wie wird der Kunde urteilsfähig?

Hierbei helfe das „Ohne Gentechnik“-Label zu differenzieren. Swoboda betonte, dass der Verzicht auf Gentechnik für tegut vor allem auch ein Nachhaltigkeitsthema sei. Die Zukunftsfähigkeit unserer Lebensmittelerzeugung hänge an der Frage: Schaffen wir es, in einer vielfältigen Landwirtschaft und mit einer hohen Artenvielfalt zu leben und zu erzeugen oder in zukünftigen Monokulturen? Swoboda hob die Bedeutung der Wahlfreiheit gerade für Händler hervor: „Wenn wir jetzt nicht agieren, ist die Wahlfreiheit dahin“.

tegut unterstütze die Kooperationspartner in der Landwirtschaft in den Bemühungen um Nachhaltigkeit und um Gentechnikfreiheit auf verschiedene Weise. Neben der Vermarktung gentechnikfreier Produkte unterstütze tegut z. B. auch gentechnikfreie Regionen und den Anbau verschiedener alter Obst-, Gemüse- und Getreidesorten. Außerdem habe tegut auch ein breites Bio-Sortiment.

Projekte zur Förderung gentechnikfreier Futtermittel gebe es bei tegut bereits seit 2005: Damals habe man sich gemeinsam mit der Upländer Bauernmolkerei durch die alte Kennzeichnungsregelung „gequält“ und sei seitdem mit „Ohne Gentechnik“-Milch, Sahne und Joghurt auf dem Markt. Swoboda kündigte an, dass tegut ab dem 1. Oktober 2008 mit seinem Schweinefleisch der Marke „Landprimus“ in die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung einsteigen werde. Zwar werde für das Fleisch bereits seit 2001 kontrolliertes und zertifiziertes IP-Sojafutter verwendet, aber die Auslobung sei erst mit der neuen, seit Mai dieses Jahres geltenden Kennzeichnungsregelung möglich.

Swoboda hob noch einmal hervor, dass Kunden informiert werden müssten, damit sie sich ein Urteil bilden und klare Kaufentscheidungen treffen könnten. Damit wachse die Nachfrage und der Anreiz für traditionell erzeugte Landwirtschaftliche Güter.

Sein Fazit: „Es funktioniert, es geht, es ist sogar gesellschaftlich und ökologisch notwendig, das „Ohne Gentechnik“-Label zu nutzen, aber es muss eben auch gewollt sein.“ Er lud alle ein, die am Einstieg in die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung interessiert sind, sich mit Fragen und Problemen an ihn oder die übrigen Referenten zu wenden und sich bei Bedarf auch unter info@tegut.com über die regelmäßigen Treffen zum Informationsaustausch zu informieren.

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Frau Dr. Manuela Schulze vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit LAVES in Braunschweig berichtete aus der Praxis der amtlichen Lebensmittelüberwachung. In Braunschweig sei bereits 1993 das weltweit erste Labor zum Nachweis gentechnisch veränderter Bestandteile in Lebensmitteln, Futtermitteln und Saatgut eingerichtet worden.

Die Anzahl der Proben zur Untersuchung auf gentechnisch veränderte Bestandteile habe in den letzten Jahren zugenommen. So seien 1997 z.B. bei Sojabohnen 35 Proben genommen worden, 6 davon enthielten GVO-Anteile. Inzwischen werde genauer quantifiziert: 2007 seien 264 Proben genommen worden, davon enthielten 45 GVO, bei 6 davon war der GVO-Anteil oberhalb des heutigen Schwellenwertes von 0,9 Prozent. Solche Tests würden z.B. auch mit Mais gemacht: 7 Proben seien 1997 genommen worden, von denen keine GVO enthielten. In 2007 seine es 220 Proben gewesen, 6 enthielten GVO, 2 davon über 0,9 Prozent. Die Testergebnisse seien öffentlich zugänglich auf der Internetseite des LAVES zu finden.

Wenn nicht zugelassene GVO gefunden werde, gäbe es keine weitere Quantifizierung, denn das Produkt müsse sofort vom Markt genommen werden. Dies sei z.B. beim GVO-Reis LL 601 und Bt 63 der Fall gewesen. Wichtig für die Untersuchungen sei es zu wissen, welche GVO überhaupt im untersuchten Produkt vorhanden sein könnten. Hierzu bedürfe es der Verfügbarkeit von Vergleichsmaterial (Referenzmaterial) und der Informationen über die Zusammensetzung der GVO (Sequenzinformationen). Wenn diese vorhanden seien, sei der Nachweis kein Problem.

Bereits seit einiger Zeit seien mehrere „Ohne Gentechnik“-Produkte auf dem Markt, alle seien korrekt gelabelt, Verstöße bisher nicht bekannt. Sie seien sehr unterschiedlich ausgezeichnet, manche mit großem Emblem vorn, manche mit dem Hinweis im Text, teilweise mit zusätzlichen Erläuterungen versehen. Die Analysen hätten jedenfalls bei all diesen Produkten ergeben, dass sie keine GVO enthielten. Bei Produkten mit Soja seien allerdings Spuren von GVO-Soja vorhanden gewesen, die sich aber unterhalb der 0,1 Prozent bewegt hätten. Damit stelle auch die Auslobung dieser Produkte keinen Verstoß gegen die Kennzeichnungsregelung dar. Dass sich die Kontrollen aber nicht allein auf die analytischen Befunde über die Zusammensetzung von Produkten beschränken dürften sondern auch die Vor-Ort-Überwachung mit einbeziehen müssten, erläuterte Frau Dr. Schulze an einem Beispiel: In einem Maisprodukt seien Spuren von gentechnisch veränderter Soja gefunden worden – obwohl in der Zutatenliste keine Soja aufgeführt gewesen wären. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass zur Reinigung der Maschinen Soja eingesetzt worden wären.

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