01.08.08 - 598
IOC steht vor einem Scherbenhaufen
AG Sport
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) steht vor einem Scherbenhaufen. Das ganze Gerede über das angeblich so erfolgreiche Engagement hinter den Kulissen, die "stille Diplomatie", mit dem das IOC Verbesserungen in China erreiche, hat sich als dummes Zeug erwiesen. Das IOC ist offensichtlich nicht einmal in der Lage, ein klares und öffentlich abgegebenes Versprechen auf ungehinderten Informationszugang für Journalisten während der Spiele problemlos einzuhalten. Schlimmer noch: Möglicherweise haben IOC-Verantwortliche der Zensur sogar ihren Segen gegeben. Erst die weltweite Empörung hat die olympischen Sportfunktionäre zum Handeln gezwungen. Der Erfolg ist mager, eine teilweise Aufhebung der Zensur reicht nicht aus.
Auch und gerade Dr. Thomas Bach ist als IOC-Vizepräsident und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes gefordert, sich aktiv einzuschalten. Der höchste deutsche Sportfunktionär hat sich immer gegen moralisierende Symbolpolitik ausgesprochen und darauf verwiesen, dass der organisierte Sport wenig Druckmittel habe und nicht Probleme lösen könne, die die Politik nicht zu lösen in der Lage sei. Doch jetzt geht es nicht um ein Symbol und nicht um eine allgemeinpolitische Frage, sondern um ein tatsächliches und konkretes Problem des IOC: die Einhaltung der Garantie auf freie Berichterstattung und ungehinderten Zugang zu Informationen während der Olympischen Spiele.