SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag
 
 

Fachkräftepotenziale ausschöpfen 

Bildungsanstrengungen verstärken

Stand: 17.06.2008

Spätestens 2015 droht in Deutschland ein gravierender Mangel an Fachkräften und Hochqualifizierten. In der Folge drohen Wachstums- und Wohlstandsverluste in Milliardenhöhe. Um unsere Wirtschaft zukunftsfähig zu halten und unseren Wohlstand zu sichern, müssen wir etwas tun. Deswegen hat eine Projektgruppe der SPD-Bundestagsfraktion ein 60-Punkte-Konzept zur „Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland“ erarbeitet. Im Mittelpunkt unseres Konzepts stehen die Menschen, ihre Fähigkeiten und Chancen. Wer die Fachkräftebasis von morgen sichern will, muss heute die Teilhabechancen der Menschen verbessern, für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem sorgen und mehr Aufstiegsmöglichkeiten durch Bildung eröffnen.

Das Problem: der drohende Fachkräftemangel in Deutschland

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland ab etwa 2010 sinken, während die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften bereits heute ansteigt. Experten sind sich einig, dass sich die Engpässe, die bereits heute in einigen Branchen und Regionen spürbar sind, bis etwa 2015 zu einem gravierenden Fachkräftemangel mit entsprechend hohen Folgekosten und Wohlstandsverlusten entwickeln können.

Unsere Antwort: Bildungsanstrengungen verstärken, Fachkräftepotenziale ausschöpfen

Für uns spielen bildungs- und beschäftigungspolitische Antworten auf den drohenden Fachkräftemangel eine Schlüsselrolle. Wir wollen alle Potenziale in unserer Gesellschaft optimal ausschöpfen. Unser Ziel ist es, mehr Menschen bessere Bildung zu ermöglichen, die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhalten und die Erwerbsbeteiligung von Bevölkerungsgruppen zu steigern, deren Potenziale bisher unvollständig ausgeschöpft wurden (v.a. Frauen und Ältere) oder die in unserem Bildungs- und Beschäftigungssystem strukturell benachteiligt sind (z. B. Migrantinnen und Migranten). Die wichtigste Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel besteht für uns darin, gleiche Chancen auf gute Bildung und gute Arbeit für alle Menschen zu verwirklichen. Die Teilhabechancen der Menschen in unserer Gesellschaft und die Sicherung der Fachkräftebasis unserer Volkswirtschaft sind zwei Seiten einer Medaille.

Unsere Vorschläge: Maßnahmen zur Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland

Die SPD-Bundestagsfraktion hat in den letzten Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um diesen Zielen näher zu kommen (Ganztagsschulprogramm, Ausbildungspakt, Hochschulpakt, BAföG-Novellen, Ausbildungsbonus, Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung etc.). Diese Erfolge sind nicht zum Ausruhen da, sondern Auftrag zum Weitermachen.

Deswegen hat eine Projektgruppe der SPD-Bundestagsfraktion einen Maßnahmenkatalog gegen Fachkräftemangel erarbeitet. Die Vorschläge weisen den Weg für politisches Handeln in den nächsten Jahren. Nur 6 Beispiele aus rund 60 Empfehlungen:

Noch in dieser Legislatur wollen wir
  • mehr zweite Chancen schaffen und den Rechtsanspruch auf das Nachholen eines Hauptschulabschlusses durchsetzen,

  • Aufstiegsfortbildungen stärker fördern und dafür das „Meister-BAföG“ novellieren und leistungsfähiger machen,

  • einen Hochschulpakt II vereinbaren, der als „Pakt für die Studierenden“ 200.000 zusätzliche Studienplätze bis 2015 schafft und außerdem mehr beruflich Qualifizierte an die Hochschulen bringt (Studium für Fachkräfte ohne Abitur).

Spätestens in der nächsten Legislatur wollen wir
  • um die Rahmenbedingungen für Weiterbildung systematisch zu gestalten ein Erwachsenenbildungsfördergesetz verabschieden, zu dem auch ein Rechtsanspruch auf das Nachholen eines Berufsabschlusses gehört,

  • ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft erarbeiten, da die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen und Existenz sichernder Erwerbstätigkeit ein zentraler Schlüssel zur Sicherung der Fachkräftebasis ist,

  • die Arbeitslosenversicherung zur Arbeitsversicherung umbauen, um durch mehr Prävention in der Arbeitsmarktpolitik und eine bessere Absicherung von Übergängen in veränderten Erwerbsverläufen die Beschäftigungsfähigkeit zu stärken.

Deutschland wird auch künftig auf bedarfsgerechte und gesteuerte Fachkräftezuwanderung nicht verzichten können. Eine weitere Arbeitsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion erarbeitet derzeit eine Position zu den Themen Zuwanderung und Arbeitnehmerfreizügigkeit (gibt abhängig Beschäftigten die Möglichkeit der Wahl ihres Arbeitsplatzes im gesamten Gebiet der EU) aus europäischer Sicht.

Die Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland ist eine gesamtgesellschaftliche und gesamtstaatliche Aufgabe. Der für Herbst geplante Bildungsgipfel bietet daher große Chancen. Die müssen genutzt werden. Wir brauchen konkrete und substanzielle Vereinbarungen zu allen Bildungsbereichen. Der Qualifizierungsgipfel muss zum Auftakt einer echten nationalen Bildungsoffensive werden.