31.07.07 - 633
Widerstand gegen Positivkennzeichnung ist Heuchelei
AG Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
In Zukunft können die Verbraucherinnen und Verbraucher bei tierischen Erzeugnissen wie Milch, Eiern und Fleisch erkennen, ob die Tiere gentechnikfreies Futter bekommen haben. Das ist ein großer Fortschritt. Endlich können sie beim Einkauf wirklich auswählen. Hier klaffte bislang eine Lücke, denn nach den EU-Kennzeichnungsregelungen müssen gentechnisch veränderte Futtermittel zwar gekennzeichnet werden, aber diese Information findet sich nicht auf dem Endprodukt.
Außer bei Bioprodukten konnten die Konsumenten bisher nicht sicher sein, ob zum Beispiel die Milch von mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefütterten Kühen stammt oder nicht. Das entspricht nicht unserem Leitbild des mündigen Verbrauchers, der durch sein Verhalten das Angebot am Markt mitbestimmt. Mit der Kennzeichnung werden sie die Möglichkeit bekommen bewusst zu entscheiden, ob sie mit ihrem Kauf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen unterstützen wollen.
Aber auch die Anbieter hatten bisher kaum die Möglichkeit, tierische Produkte aus gentechnikfreier Verfütterung als solche zu kennzeichnen. Wenn sie demnächst tierischer Erzeugnisse aus gentechnikfreier Verfütterung ausloben können, ist dies für sie ein Marktvorteil. Das wird die Nachfrage nach gentechnikfreiem Futter und damit auch den heimischen Futtermittelmarkt stärken.
Leider ist nicht allen Teilen der Wirtschaft an der Wahlfreiheit der Verbraucher und an einer Stärkung des gentechnikfreien Futtermittelmarktes gelegen. Die Behauptung, eine solche Kennzeichnung wäre "Irreführung der Verbraucher", da sie die Verwendung von gentechnisch gewonnenen Hilfsstoffen - die aber keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) mehr enthalten - erlaube, ist Heuchelei. Wer hier als Vertreter der "reinen Lehre" auftritt, will in Wahrheit die Etablierung des Marktsegments für tierische Erzeugnisse aus gentechnikfreier Verfütterung verhindern.
Der Vorwurf der Irreführung kommt von Verbänden, die hier vollkommene Transparenz fordern und sich auf der anderen Seite für einen Toleranzwert für das Vorhandensein von in der EU nicht sicherheitsüberprüften und illegalen GVO in Produkten einsetzen. Der Vorwurf kommt von Futtermittelanbietern, die ihre Produkte bewusst falsch als GVO-Futtermittel deklariert haben, um Landwirten den Eindruck zu vermitteln, dass es keine Alternativen mehr gäbe. Wenn von solchen Anbietern jetzt Widerstand gegen die Positivkennzeichnung kommt, dann spricht das für sich.
Dieser Widerstand kommt aus immer der gleichen Ecke und gegen alles, was den Verbrauchern mehr Rechte und mehr Wahlfreiheit einräumt. In dieser Ecke hat man wohl große Angst vor den Entwicklungen auf dem Markt, die wirklich mündige Verbraucher auslösen könnten. Fragt man aber bei den Unternehmen selbst, so sind viele von ihnen bereit und offen für solche Entwicklungen.