Dem Klimawandel entgegenwirken
Kein "Weiter so" möglich
Stand: 27.04.2007
Am 26. April machte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in einer Regierungserklärung deutlich, welchen Weg Deutschland in der Klimaschutzpolitik gehen muss, um den Trend der Klimaveränderung aufzuhalten und die daraus resultierenden Folgen zurückzudrängen bzw. zu begrenzen.
Deutschland muss Vorbild sein
Das Verhalten Deutschlands als größtes Industrieland Europas in Fragen des Klimaschutzes wird international mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Deshalb ist es wichtig und angemessen, dass Deutschland in Europa und international eine Vorreiterrolle einnimmt. Die Europäische Union hat sich, auch auf Grund des Engagements der Bundesregierung, dazu bereit erklärt, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 30 Prozent im Vergleich zu den Werten von 1990 zu verringern, wenn andere Industrieländer, wie die USA sowie Schwellenländer wie China und Indien, zu einer vergleichbaren Minderung bereit sind. Ansonsten wird die Europäische Union den Treibhausgasausstoß um 20 Prozent zurückführen. Umweltminister Gabriel stellte klar, dass Deutschland den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren kann. Dies sollte auch das Ziel sein. Dazu sei schnelles und entschlossenes Handeln nötig. Dies entspricht der Forderung der SPD-Bundestagsfraktion.
8-Punkte für ein gesünderes Klima
Mit einem 8-Punkte-Plan will Minister Gabriel die Senkung des Treibhausgasausstoßes vorantreiben. Klimaschutz bedeute den Umbau der Industriegesellschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei die massive Rückführung des Energieverbrauchs, der Neubau effizienter Kraftwerke und große Anstrengungen beim Ausbau von erneuerbaren Energien. Folgende Maßnahmen sind dazu geplant:
- Den Stromverbrauch um 11 Prozent durch höhere Energieeffizienz zurückzuführen. Dies entspricht einer C02-Einsparung von 40 Millionen Tonnen.
- Die Erhöhung des Wirkungsgrads der Kraftwerke, was 30 Millionen Tonnen C02 weniger ausmacht.
- Den Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf über 27 Prozent, was eine C02-Reduktion von 55 Millionen ergibt.
- Den weiteren Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung auf einen Anteil von 25 Prozent, was zu einer Einsparung von 20 Millionen Tonnen C02 führt.
- Die Reduktion des Energieverbrauchs durch Gebäudesanierung, effiziente Heizungsanla-gen und in Produktionsprozessen ermöglicht eine Reduktion des C02-Ausstoßes von 41 Millionen Tonnen.
- Durch die Steigerung der erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung auf 14 Prozent können 14 Millionen Tonnen C02 gespart werden.
- Durch den Einsatz moderner Technologien im Verkehr und die Steigerung des Anteils der Biokraftstoffe auf 17 Prozent ist die Rückführung des C02-Ausstoßes um 30 Millionen Ton-nen möglich.
- Durch die Reduktion des Ausstoßes anderer Treibhausgase wie Methan können weitere 40 Millionen Tonnen C02 eingespart werden.
Kernenergie ist keine Lösung
Am Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erteilte Gabriel der Atomenergie eine klare Absage. Er machte deutlich, dass zur Sicherstellung der Energieversorgung und des Klimaschutzes die zentralen Handlungsfelder Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind.
Klimaschutz bringt Wachstum und spart Kosten
Der Klimaschutz bietet für Deutschland neben allen ökologischen Aspekten die Chance, ein immenses ökonomisches Potenzial zu erschließen und die augenblickliche Führungsposition im Bereich der ökologischen Technologien weiter auszubauen. Das Wachstum dieser Zukunftsbranche drückt sich auch eindeutig am Arbeitsmarkt aus, schon heute sind dort 214.000 Menschen beschäftigt. Zur Fortschreibung dieses Trends ist die Stärkung der Energieforschung eine wichtige Grundlage. Hier hat Deutschland z. B. gegenüber Japan einiges wettzumachen. Werden dort auf dem Sektor 30 Dollar pro Kopf investiert, sind es hier gerade mal 6,20 Dollar. Deshalb legt die Bundesregierung nach und erwartet auch ein entsprechendes Engagement von der Wirtschaft. Investitionen in den Klimaschutz lohnen und sind langfristig günstiger als die wirtschaftlichen Folgeschäden eines ungebremsten Klimawandels. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) würden die sich für Deutschland bis 2050 auf 137 Milliarden Euro belaufen.
Hilfe für Entwicklungsländer
Deutschland ist sich als Industrienation und Mitverursacher des Klimawandels seiner Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländern, die bereits heute massiv unter den Veränderungen des Klimas zu leiden haben, bewusst. Sei es durch Dürren und Wassermangel oder durch den Anstieg des Meeresspiegels. Wenn den Entwicklungsländern bei der Anpassung an den Klimawandel wirksam geholfen würde, könne verhindert werden, dass Millionen von Menschen auf der Suche nach Wasser und Brot ganze Regionen destabilisieren. Deshalb hat die Bundesregierung für den bevorstehenden G-8-Gipfel in Heiligendamm, zu dem auch die Schwellenländer eingeladen sind, Klima und Energie zu einem Schwerpunkt gemacht.
Jeder kann mitmachen
Der Klimaschutz beansprucht die Verantwortung jedes Einzelnen. Der Umbau der Industriegesellschaft kann nur gelingen, wenn Bundesregierung, Länder und Kommunen sowie die Handelnden in Wirtschaft und Gesellschaft dafür ihren Teil der Verantwortung übernehmen. Und auch die Bürgerinnen und Bürger können durch energiesparendes Verhalten ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.