Betriebsrätekonferenz Mai 2006
„Lebenslang gut arbeiten“
Stand: 01.06.2006
Wir brauchen die gesetzliche Verankerung der Mitbestimmung und Menschen, die sich der betrieblichen Verantwortung stellen. Den neugewählten Betriebsräten wünschen wir zur erfolgreichen Betriebsratswahl alles Gute.
Mitbestimmung ist ein demokratischer Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Nach ersten Hochrechnungen wurden die Mitbestimmung und die Gewerkschaften durch die diesjährigen Betriebsratswahlen gestärkt. Die großen Tarifauseinandersetzungen in diesem Jahr belegen zudem, wie wichtig unser autonomes Tarifsystem ist, hob Klaus Brandner in der Begrüßung der ca. 400 Betriebsräte aus dem gesamten Bundesgebiet hervor.
Nach sechs Monaten großer Koalition wollen wir uns nicht auf den Koalitionsvereinbarungen ausruhen. Wir müssen in dieser Konstellation die notwendigen Reformen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands auf den Weg bringen. Innovation und Gerechtigkeit; Modernisierung der Sozialsysteme in Zeiten der Globalisierung und der demographischen Veränderung, ohne den Menschen den Boden unter den Füßen zu nehmen, sind die wichtigsten Aufgaben.
Wir machen uns nichts vor, wir werden gemessen an der Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Tage, nämlich dem Abbau der hohen Arbeitslosigkeit.
Der Fraktionsvorsitzende Dr. Peter Struck erklärte, wir konzentrieren uns insbesondere auf die Problemgruppen am Arbeitsmarkt, auf die unter 25-Jährigen und die über 50-Jährigen. Es gibt ein Sonderprogramm »50 plus« im Zusammenhang mit der Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre. Wir gehen fest davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung dazu beiträgt, die Arbeitslosigkeit abzubauen.
Der Arbeits- und Sozialminister Franz Müntefering hob hervor, dass man immer die Abhängigkeit verschiedener Politikfelder voneinander im Auge haben müsse. Wer Wohlstand garantieren und dazu Arbeit schaffen und Altersvorsorge sichern wolle, dürfe sich nicht nur um Arbeitsplätze und um stabile Rentensysteme kümmern, sondern müsse Bildung, Qualifizierung und lebenslange Weiterbildung vorantreiben. Dies seien nur einige wichtige Voraussetzungen für unserer Ziele.
Unser drängendstes Problem bleibt trotz positiver Zahlen die hohe Arbeitslosigkeit besonders im Bereich der Älteren. Die Kosten für die Frühverrentung haben Unternehmen zum großen Teil auf die Allgemeinheit abgewälzt. Dies hat zudem dazu geführt, dass 50% der Betriebe keinen 50-jährigen oder älteren Arbeitnehmer beschäftigen.
Die betriebliche Frühverrentungspolitik steht im Gegensatz zur Entwicklung altersgerechter Arbeitsformen. Es gibt keine Patentrezepte, aber Unternehmen, die den Mechanismus der Frühverrentung durchbrechen und mit altersverträglichen Arbeitsbedingungen wertvolles Arbeitswissen in den Betrieben erhalten. Dies wurde in der Betriebsrätekonferenz eindrücklich durch die Vorträge der Firmen Sauer Dannfoss und der Sick AG belegt. Beide Firmen wurden als „Deutschlands beste Arbeitgeber“ vor allem für ihre positive Unternehmenskultur und guten Arbeitsbeziehungen ausgezeichnet. Insbesondere für ältere Arbeitnehmer brauchen wir eine nachhaltige Verbesserung der Beschäftigungssituation, die durch weniger belastende Arbeitsumstände in den Betrieben erreicht werden kann. Es ist an der Zeit, die Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, die Qualifizierung sowie den Gesundheitsschutz unter die Lupe zu nehmen und altersgerecht zu gestalten. Wir müssen Perspektiven aufzeigen, auch für die jüngere Generation. Positive Beispiele über Engagement für eine gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensführung gibt es. Dies wurde auch durch eine vom Ministerium in Auftrag gegebene Umfrage zur Frage, „Was ist gute Arbeit“ belegt. Für eine Balance zwischen Arbeit und Leben, für eine humane Arbeitszeitpolitik und sichere Arbeitsplätze sprachen sich viele Betriebsräte auf der Konferenz aus.