Tschernobyl mahnt
24 Jahre nach der Katastrophe
Stand: 26.04.2010
Am 26. April 1986 ereignete sich im Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl in der heutigen Ukraine die größte Reaktorkatastrophe der Geschichte.
Viele Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion, allen voran der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier und der erste Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann, haben sich anlässlich des 24. Jahrestages der Reaktorkatastrophe an Aktionen gegen die Atomenergie beteiligt. Zum Beispiel haben sich viele Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen in die Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel quer durch Hamburg und Schleswig-Holstein eingereit. Andere SPD-Bundestagsabgeordnete haben das AKW Biblis (Hessen) mit umzingelt oder sich an der Protestaktion in Aahaus (NRW) beteiligt. Die Aktionen waren erfolgreich. So konnte die Menschenkette auf den 120 Kilometern zwischen den AKWs Krümmel und Brunsbüttel und quer durch Hamburg geschlossen werden. Mit 120 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden die Erwartungen der Organisatoren weit übertroffen. In Biblis beteiligten sich insgesamt 20 000 Menschen. Das zeigt deutlich, die Menschen in unserem Land wollen keine längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke und sie sind auch bereit dazu, für ihre Meinung auf die Straße zu gehen und zu protestieren.
Tot, krank, heimatlos
Durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kam es zu einer massiven Freisetzung von radioaktivem Material in die Umwelt. Besonders betroffen waren Gebiete in Belarus, Russland und der Ukraine. Eine radioaktive Wolke verteilte die Substanzen aber auch über weite Teile Westeuropas. Insgesamt wurde eine Fläche von mehr als 200.000 Quadratkilometer kontaminiert. Auch weite Teile Süd- und Ostdeutschlands waren betroffen. Die Angst vor den Folgeschäden der Strahlenexposition führte zu einer starken Verunsicherung in der Bevölkerung.
350.000 Menschen verloren durch die Reaktorkatastrophe ihre Heimat. 200.000 bis 800.000 Menschen wurden als so genannte Liquidatoren beim Bau einer Beton- und Stahlummantelung - dem so genannten Sarkophag - zur Abschirmung des Unglücksreaktors und zu Aufräumarbeiten eingesetzt.
Die Zahl der Opfer ist bis heute umstritten. Sie schwankt zwischen 4.000 laut Tschernobyl-Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation, über 30.000 bis 60.000 laut einer Studie der britischen Strahlenbiologin Ian Fairlie bis hin zu 50.000 bis 100.000 Todesopfern laut einer Studie der Organisation Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg. Die wirtschaftlichen Folgekosten der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl werden auf mehrere hundert Milliarden US-Dollar geschätzt.
Ausstieg aus der Atomenergie
Wir haben während der rot-grünen Koalition mit der Novelle des Atomgesetzes 2001 im Konsens mit der Energiewirtschaft den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland durchgesetzt Der Atomkonsens steht für uns nicht zur Disposition. Dies konnten wir auch im Koalitionsvertrag der Großen Koalition festschreiben. Nun stellt Schwarz-Gelb alles in Frage und will die AKWs unbegranzt oder aber 60 Jahre laufen lassen. Das ist allein aus Gründen des Alters der AKWs hoch gefährlich. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten lehnen eine Verlängerung von Restlaufzeiten und die Übertragung von Reststrommengen von neuen auf alte Atomkraftwerke ab.
Den betroffenen Menschen, die noch heute unter den Folgen der Reaktorkatastrophe leiden sprechen wir unser Mitgefühl aus. Wir werden sie auch weiterhin bei der Bewältigung der medizinischen, ökonomischen und sozialen Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl unterstützen.