30.09.05 - 1098
Internationale Raumstation: USA in Regress nehmen
AG Bildung und Forschung
NASA-Chef Griffin hat deutlicher als zuvor die ISS und das US-Raumfahrtprogramm als Fehler bezeichnet. Er möchte die NASA auf das Mond- und Mars-Programm von US-Präsident Bush konzentrieren. Das allerdings wäre eine groteske Fehlentscheidung, weil aus der Geschichte genau die falschen Lehren gezogen würden. Die bemannte Raumfahrt ist zu teuer, zu gefährlich und hat zu wenig Nutzen. Doch anstatt voll auf die Robotik zu setzen, wollen die USA wieder Menschen auf den Mond und später auf den Mars bringen.
Letztlich ist das Sache der USA. Es muss jedoch klar sein, dass sich Deutschland an solchen Abenteuern nicht beteiligt und sich bei den Partnern der Europäischen Weltraumbehörde ESA für einen eigenständigen und vernünftigen Weg Europas in der Raumfahrtpolitik einsetzt.
Vor allem jedoch benötigen alle Beteiligten Klarheit über die Zukunft der Raumstation. Wenn die USA ihre Verpflichtungen erfüllen, wird dies Deutschland auch tun und die ISS optimal nutzen. Wenn die USA jedoch, wie Griffin nahe legt, aus dem Projekt aussteigt, ist die Raumstation praktisch erledigt. Dann müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, die USA in Regress zu nehmen, denn schließlich hat Deutschland unter der Federführung der Regierung Kohl mit 41 Prozent der Entwicklungsaufwendungen den größten europäischen Anteil an der ISS-Finanzierung übernommen. Bis heute hat Deutschland in den letzten zehn Jahren 1,87 Milliarden Euro ausgegeben.
Sollte die USA sich vom Shuttle-Konzept verabschieden, würde dies auch bedeuten, dass das Forschungsmodul Columbus nicht an die ISS angedockt werden könnte. Dieses Modul ist jedoch unerlässlich für die Raumstation, denn hier soll einmal geforscht werden. Seit einem Jahr wartet Columbus auf den Start, der immer wieder aufgrund des Columbia-Absturzes 2003 verschoben wurde. Allein von Gewicht her könnte auch die neue Version der Ariane 5 das Labor in den Weltraum transportieren. Dies würde jedoch eine völlige Neukonstruktion erforderlich machen, denn die Statik der Columbus ist gänzlich auf die bei einem Shuttle-Start auftretenden Kräfte ausgerichtet.
Während die Amerikaner sich Gedanken machen, die unzähligen technischen Hürden eines bemannten Fluges zum Mars zu überwinden, sind Roboter längst vor Ort und leisten vom wissenschaftlichen Standpunkt gesehen hervorragende Arbeit. Dabei sollten sich alle am ISS-Projekt beteiligten Staaten besser Gedanken machen, wie die bisher investierten Mittel am effektivsten und auch zukünftig genutzt werden können.